Eine Wochenbettdepression erkennen: EPDS-Fragebogen

 

Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Tagen der Geburt ist ein normaler Anpassungsprozess. An die veränderte hormonelle Situation, an das neue Leben und die neue Rolle, in die man erst hineinwachsen muss.  Überhaupt – ist ja alles anders, als zuvor.

Da verwundert es nicht, wenn eine frischgebackene Mama hin- und hergerissen ist zwischen Verzweiflung und Traurigkeit auf der einen Seite und Glück und Freude auf der anderen Seite. Mehr als jede zweite Mutter geht nach der Geburt ihres Kindes durch die Baby-Blues-Tage.

 

Babyblues oder doch Wochenbettdepression?

Doch wo verläuft die Grenze zu einer Wochenbettdepression (Postpartale Depression PPD)? Wie lange dürfen die Heultage dauern? Wie erkennt man eine Wochenbettdepression?

Eine einfache Möglichkeit ist die “ EPDS – Edinburgh Postnatal Depression Scale”, ein Selbstbeurteilungsfragebogen den die Mutter ausfüllt. Anhand der erreichten Gesamtpunktezahl lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer PPD abschätzen. Wichtig: dieser Fragebogen ist kein Diagnose-Verfahren.

 

Bist du dir unsicher, ob du dich gerade auf dem Weg in eine PPD befindest oder schon mittendrin steckst?

Hast du das Gefühl, dass es deiner Freundin nach der Geburt nicht gut geht?

Oder bist du als Vater über den Gemütszustand deiner Frau/Partnerin im Wochenbett besorgt?

 

Die Edinburgh Postnatal Depression Scale EPDS

 

Hier steht der Fragebogen zum Download bereit.

Dieser kann zu jedem Zeitpunkt nach der Geburt ausgefüllt werden. Eine hohe Punktezahl in der ersten Woche nach der Geburt deutet auf einen Baby-Blues hin. Dieser kann in eine Wochenbettdepression übergehen.

Es empfiehlt sich den EPDS-Fragebogen auch 6-8 Wochen nach der Geburt, nach 12 Wochen und nach einem Jahr zu wiederholen. Generell sollen zwischen der Wiederholung zumindest 14 Tage liegen.

Der EPDS-Fragebogen wurde zwar für die Zeit nach der Geburt entwickelt, er wurde jedoch auch für die Schwangerschaft validiert und kann dementsprechend auch vor der Geburt verwendet werden.

Allgemein gesprochen ist die Edinburgh Postnatal Depression Scale EPDS ein sehr verlässliches und gut untersuchtes Screening-Tool.

 

Was ist der nächste Schritt?

Ab einem Wert von 13 Punkten deutet die aktuelle Gemütslage mit einer großen Wahrscheinlichkeit (60-100%) auf eine Wochenbettdepression hin.

Mögliche Ansprechpartner sind:

  • Hebammen
  • FrauenärztInnen
  • FachärztInnen für Psychiatrie
  • PsychologInnen
  • Psychosoziale Beratungsstellen in deiner Umgebung
  • Psychiatrische Ambulanzen
  • Initiativen zum Thema (Bsp.: Schatten & Licht e.V.)

 

Fazit

Eine Wochenbettdepression betrifft zwischen 15 und 20% aller Mütter nach der Geburt und tritt somit relativ gesehen häufig auf. Eine frühzeitige Erkennung einer PPD ist wichtig und nötig, damit betroffene Mütter die adäquate Unterstützung und Behandlung bekommen. Generell ist zu betonen, dass eine Postpartale Depression gut zu behandeln und die Heilungschancen sehr groß sind.

Wichtig ist das nahe Umfeld mit einzubeziehen. Teile dich deinem Partner und den Menschen in deiner unmittelbaren Umgebung mit!

 

Jetzt bist du dran!

Wenn du die Sorge hast, dass eine PPD Thema ist, dann füll‘ den Fragebogen aus.

Hast du Fragen zu diesem Befindlichkeitsfragebogen?

Möchtest du etwas zum Thema Postpartale Depression wissen?

Ich freue mich über jeden Kommentar.

 

Literatur

Bergant et al. „Deutschsprachige Fassung und Validierung der „Edingburgh Postnatal Depression Scale““, DWM 1998, 123 Jg., Nr. 3, S. 39.

Bund Deutscher Hebammen. (2007). Psychologie und Psychopathologie für Hebammen. Die Betreuung von Frauen mit psychischen Problemen. Stuttgart: Hippokrates.

Edinburgh Postnatal Depression Scale (JL Cox, JM Holden, R Sagovsky, 1987)

Rohde, A. (2004). Rund um die Geburt eines Kindes: Depressionen, Ängste und andere psychische Probleme. Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und ihr soziales Umfeld. Stuttgart: Kohlhammer.

 

 

 

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