Wochenbett Geburt Stillen

Wochenbett-Geschichte #1: „Und so soll mein Leben in Zukunft ausschauen?“

„Und so soll meine Leben in Zukunft ausschauen?“ – Diesen Gedanken im Wochenbett zu haben ist gar nicht ungewöhnlich. In Mitten von Hormonen, Tränen, Schlafmangel und schreiendem Baby kann sich ein Moment wie eine Ewigkeit anfühlen.

Geburtsgeschichten werden viele erzählt. Geschichten über das Wochenbett nicht so sehr.

Diese Reihe der Wochenbett-Geschichten soll das ändern. Auch wenn die Geburt und die Vorbereitung darauf in der Schwangerschaft oftmals im Vordergrund steht, verdient auch das Wochenbett Aufmerksamkeit.

Den Auftakt macht die Wochenbett-Geschichte einer jungen Mama, die auf eigenen Wunsch hin gerne anonym bleiben möchte.

Eine Besonderheit ihrer Wochenbett-Geschichte ist die Tatsache, dass sie von Beginn an alleinerziehend ist und vom Vater ihres Babys getrennt ist.

 

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Da mein Baby 2 Wochen nicht mehr gewachsen ist, wurde ich ins Krankenhaus  geschickt und die Geburt wurde eingeleitet. 3 Tage wurde mir ein Gel vaginal gelegt und das 3 mal am Tag. Ich hatte Schmerzen und es schlug mir sehr auf die Psyche. Den 4. Tag bekam ich einen Wehencocktail. Nun bekam ich endlich Wehen und nach 14 1/2 Stunden war mein Baby da. Die Einleitung war der Horror, aber die Geburt an sich wunderschön.

Meine Mutter war bei der Geburt dabei, da ich nicht alleine sein wollte. Mein Freund hat mich kurz vor der Geburt verlassen. Ich hatte viele Sorgen und Ängste, die mir das Leben vor und nach der Schwangerschaft nicht einfach machten.

So – nun war er da mein Sohn und ich betrachtete ihn voller Stolz und konnte es nicht glauben. Ich bekam Ben nachts und kam mit ihm so gegen 6 Uhr aufs Zimmer. Ich war sehr, sehr müde – doch an Schlaf war nicht zu denken. Es wurde Tag und ich bekam Besuch von meiner Familie. Ben war sehr ruhig und schlief nur. Ich wollte ihn stillen, doch irgendwie war mir alles zu viel und ich hätte ununterbrochen heulen können…aber so richtig heulen.

Es wurde Abend und mein Sohn fing schrecklich an zu weinen. Das ging die ganze Nacht so. Ich war fertig mit den Nerven und fühlte mich alleine gelassen mit einem Baby und bekam immer wieder dieses schreckliche Gefühl meinem Baby nicht gerecht werden zu können. Die Nachtschwester war super lieb und redete viel mit mir.

Am nächsten Tag kam wieder Besuch und abends dasselbe Spiel mit dem Weinen… Ich habe wirklich tagelang nicht geschlafen nach der Geburt. Ich fragte mich immer: Und so soll mein Leben in Zukunft aussehen? Ja, ich liebe mein Baby und war wahnsinnig stolz auf ihn, aber ich war einfach körperlich so fertig und auch vom Kopf her!

Jeder erwartete von mir glücklich zu sein und nur Freude auszustrahlen und –  ja ich war glücklich, aber ich wollte den ganzen Tag einfach nur heulen. Bei jedem Stillen und bei jedem Toilettengang fing ich an zu weinen… Nach 3 Tagen durfte ich nach Hause und ich freute mich darüber, aber ich hatte auch Angst. Meine Mutter übernachtete die ersten 5 Tage mit bei mir und half mir mit meinem Sohn. Darüber bin ich ihr heute noch sehr dankbar!

Die erste Nacht mit meinem Kind alleine: Ich hatte große Panik und Angst etwas falsch zu machen. Mein Sohn hatte die Koliken und weinte vor allem abends und nachts sehr viel. Verzweiflung kam in mir hoch. Sobald er dann mal schlief konnte ich nicht schlafen, sondern musste immer weinen… er tat mir leid!

Ich muss sagen, ich hatte drumherum sehr viel privaten Ärger mit dem Papa von meinem Kind. Es setzte mir psychisch sehr zu, aber darüber sprechen, wie es mir wirklich geht konnte ich irgendwie nicht…  

Meine Hebamme kam jeden Tag und schaute nach mir und Ben. Sie hat ihn gewogen und alles andere angeschaut. Mein Sohn entwickelte sich super.

Die ersten Wochen waren sehr schwer für mich. Auf der einen Seite war das Wochenbett das schönste in meinem Leben -so im Nachhinein betrachtet – dieses kleine Wesen aufwachsen zu sehen, mein Fleisch und Blut. Doch auf der anderen Seite war es der reinste Horror durch das Drumherum und meine kaputten Nerven.

Doch heute (Baby ist 6 Monate alt) kann ich von mir sagen: Ich habe all das alleine geschafft und kann wahnsinnig stolz sein! Mein Sohn ist mein ganzer Stolz und macht mich zur glücklichsten Mami der ganzen Welt.

Wir Frauen sind so stark, wenn es um unsere Babys geht! Dennoch sollte man sich mehr mit diesem Thema Wochenbett beschäftigen. Man traut sich so einiges nicht offen anzusprechen in dieser Zeit da man doch schnell verurteilt wird.

Ganz schlimm war es für mich von Freundinnen und Bekannten hören zu müssen, ich verwöhne mein Kind und es weint deshalb so viel und ihre Kinder sind ja so viel lieber und schreien nicht und und und…….

Genau solche Sätze setzen einem psychisch zu und machen eine frisch gebackene Mama runter…. aber Feingefühl kennt leider nicht jeder Mensch und zu diesen Leuten habe ich heute kein Kontakt mehr.

Was mir wirklich sehr zu schaffen gemacht hat, war dieser Druck von der Gesellschaft. Diese Vorschriften, dass mein Baby durchschlafen muss. Ich soll es schreien lassen. Nicht so viel tragen. Ach – da fällt mir gewiss noch mehr ein.

Eine Mama hat von Natur aus einen Instinkt für Ihr Baby/Kind und genauso handhabe ich es nur noch.

Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und nicht auf andere. Habe ich das Verlangen mein Baby zu tragen weil es uns beide gut tut, dann mach ich es! Stille ich es alle 5 Minuten, weil es das Einzigste ist was es beruhigt, dann mach ich es!

Wichtig ist auch zu wissen, dass jedes Baby individuell ist und jede Mama Dinge anders handhabt. Dies heißt aber nicht, dass die eine es falsch macht und die andere richtig. Man entscheidet sich für den passenden Weg für sich und sein Kind da gibt es kein Richtig und Falsch.

 

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