Schwierige Erlebnisse aus Schwangerschaft und Geburt auflösen: Der Herzensfaden und das Heilgespräch

 

Wenn du diese Zeilen gerade liest, kann es sein, dass die Geburt deines Kindes nicht so verlaufen ist, wie du es dir gewünscht hast. Du bist auf der Suche nach Möglichkeiten, das Erlebte aufzulösen und zu verarbeiten. Es kann auch sein, dass du das Gefühl oder die Angst hast, dass die Bindung zu deinem Kind durch den schwierigen Start ins Leben nicht “gut genug” oder zu wenig intensiv ist. Lassen die Muttergefühle, so wie du sie dir vorgestellt, auf sich warten?

 

Vielleicht hast du im Artikel zu den Möglichkeiten, um ein schwieriges Geburtserlebnis zu verarbeiten, schon von dem Babyheil- bzw. Bondingbad gelesen. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit dem Herzensfaden und dem Heilgespräch.

 

Ein belasteter Start ins Leben

Schwierige und belastende Erfahrungen rund um’s Thema Schwangerschaft und Geburt können viele verschiedene Gesichter haben. Es kommt dabei nicht darauf an, ob du eine Kaiserschnitt- oder Spontangeburt hattest oder ob es zu einer Trennung von deinem Kind nach der Geburt gekommen ist. Eine Saugglockengeburt kann ebenso belastend sein, wie eine Geburt bei der ein Dammschnitt gemacht wurde oder eine Geburt die sehr schnell oder eher langsam fortgeschritten ist.

Und dann es auch sein, dass die Geburt ok gewesen ist, du aber trotzdem das Gefühl hast, dass deine Muttergefühle nicht so stark sind wie es sich “gehört” und du Zweifel daran hast, ob die Bindung zwischen dir und deinem Kind stark genug ist. Oder aber es gab im Verlauf der Schwangerschaft große Herausforderungen, wie beispielsweise ein auffälliger Befund im Rahmen der Pränataldiagnostik. In jedem Fall können diese Heilungsrituale helfen.

 

Das Heilgespräch mit deinem Baby

Mit deinem Baby bzw. Kind über die Schwangerschaft und Geburtsreise reden? Vielleicht mag dir das beim ersten Gedanken daran seltsam vorkommen. Möglicherweise denkst du dir, dass dein Kind nicht verstehst was du sagst? Du kannst darauf vertrauen, dass dein Kind, auch wenn es noch sehr klein ist, viel von dem versteht was du ihm erzählst. Nicht zwangsläufig auf einer rationalen Ebene, aber ganz sicher auf einer emotionalen.

Bevor du mit deinem Kind über eure Geburtsreise sprichst, lies dir in Ruhe die folgenden Impulse und Gedankenanstöße durch und finde dann im Gespräch deine eigenen Worte.

Wie schon bei der Durchführung des Bondingbads achte darauf, dass du mit deinem Kind eine bestimmte Zeit zur Verfügung hast, in der ihr ungestört seid.

Wenn du möchtest kannst du dein Kind in den Arm nehmen. Bitte sei’ dir aber im Klaren darüber, dass dein Kind, wenn es schon mobil und älter ist, vielleicht auch auf Distanz gehen möchte.

 

Erzähle deinem Baby Eure Geschichte

Erzähle deinem Kind in deinen Worten alles was dir gerade zu eurer Geburtsreise oder einer belastenden Situation  einfällt. Wie ist die Geburt verlaufen? Wie hat sie begonnen? Wie war dieses Erlebnis für dich? Was war möglicherweise belastend oder hat dich traurig gemacht?

ABER: An welche positiven Momente kannst du dich erinnern? Auch wenn du das Gefühl hast, dass die Geburt von Beginn bis zum Ende schlimm gewesen ist, so trau’ dich in deiner Erinnerung vielleicht doch einen Moment zu finden, der positiv gewesen ist. Ja, vielleicht sogar schön. Ich erinnere mich an eine Klientin, die mit mir die stille Geburt ihres Kindes aufgearbeitet hat. Selbst in dieser sehr belastenden und beinahe unerträglichen Situation hat sie sich an positive und berührende Momente erinnern können.

 

Das Heilgespräch mit älteren Kindern

Dieses Gespräch über die Geburt kannst du auch machen, wenn dein Kind schon älter ist. Es kann sein, dass ältere Kind reagieren, indem sie auf Distanz gehen, sich die Ohren zu halten oder dir direkt sagen, dass sie nicht darüber sprechen möchten. Du kannst es in weiterer Folge aber immer wieder versuchen. Die meisten Kinder hören dann irgendwann aufmerksam zu.

Du musst dich im Heilgespräch auch nicht auf die Geburt beschränken. Vielleicht gibt es Momente oder Situationen aus der Schwangerschaft, die in deinen Gedanken auftauchen. Oder Erlebnisse und Gefühle aus den ersten Tagen nach der Geburt?

 

Gefühle und Gedanken, die auftauchen können

Während du deinem Kind von eurer gemeinsamen Geburtsreise erzählst, achte vielleicht auch darauf welche Gefühle in dir auftauchen.  Bereite dich innerlich darauf vor, dass Tränen fließen können. Sowohl bei deinem Kind als auch bei dir. Das ist vollkommen ok.

 

Der Herzensfaden

Diese Übung ist eine ganz feine Methode, um die Bindung und Kommunikation zu deinem Baby zu stärken und aufzunehmen:

 

Wenn du magst, kannst du deine Augen schließen oder sie auch offen lassen. Richte deine innere Aufmerksamkeit zu deinem Kind und spüre genau hin. Du kannst dabei in Gedanken mit deinem Kind sprechen. So, wie es für dich passend ist. Dann stelle dir mit Hilfe deiner Imaginationskraft vor, wie sich ein Faden oder eine Schnur oder ein Lichtstrahl von deinem Herzen ausgehend bis zum Herzen deines Kindes bildet, hinzieht oder hinfließt. Im nächsten Schritt gib dieser Herzensverbindung eine Farbe. Lass’ dich überraschen, welche Farbe hier ganz spontan auftaucht! Halte dieses Bild jetzt ganz intensiv in deiner inneren Wahrnehmung. Durch diese Herzensverbindung bist du mit deinem Kind verbunden. Auch wenn dein Kind nicht unmittelbar bei dir ist, ist der Herzensfaden da. Stell’ ihn dir als eine Verbindung vor, die unendlich lange ist und auch Räume und Wände durchdringt.

 

Der Herzensfaden nach einer schweren Geburt

Wenn du und dein Kind eine schwierige Geburtsreise gehabt habt oder eine andere herausfordernde Situation in der Schwangerschaft oder danach aufgetreten ist, so kannst du den Herzensfaden jetzt “installieren” und so die Verbindung zwischen euch stärken.

 

Der Herzensfaden kann auch in anderen Situationen verwendet werden:

  • in der Schwangerschaft
  • unter der Geburt
  • in einer Trennungssituation von Mutter und Kind
  • bei einem Sternenkind

 

Der Herzensfaden in der Schwangerschaft

Die pränatale Psychologie weiß schon seit einiger Zeit darum, wie wichtig die Bindung zwischen dem Baby und seiner Mutter schon in der Schwangerschaft ist. Wenn du diese Zeilen liest und schwanger bist, wende diese Übung gleich an. Ganz egal in welcher Schwangerschaftswoche du dich gerade jetzt befindest. Vielleicht hast du ja Lust, diese kleine Übung in deinen Alltag einzubauen, um auf diese Weise täglich Kontakt zu deinem Baby aufzunehmen.

 

Der Herzensfaden unter der Geburt

Ja, auch während der Geburt kannst du über die Vorstellung des Herzensfadens mit deinem Baby in einem innigen Kontakt bleiben. Lenke auch im Geburtsprozess immer wieder deine Aufmerksamkeit zu deinem Kind hin. Sprich in Gedanken oder in Worten mit deinem Baby und erzähle ihm was gerade geschieht oder einfach wie lieb du es hast und wie sehr du dich auf seine Ankunft freust. Auch wenn es zu Komplikationen unter der Geburt kommen sollte, geh’ über den Herzensfaden in Kontakt mit deinem Kind.

 

In einer Trennungssituation von Mutter und Kind

Solltest du nach der Geburt von deinem Baby getrennt sein, vielleicht weil dein Kind medizinisch versorgt werden muss, denke an den Herzensfaden und bleibe so in Kontakt. Sollten später im Leben deines Kindes beispielsweise medizinische Eingriffe nötig sein bei denen ihr nicht zusammen sein könnt, kannst du mit Hilfe dieser Herzensverbindung mit deinem Kind verbunden bleiben. So kannst du ihm deine Liebe und deine Gedanken schicken.

 

Der Herzensfaden bei einem Sternenkind

Vielleicht liest du diese Zeilen gerade und kannst deinem Kind aber nicht in die Augen schauen, es in den Arm nehmen und von eurer Geburtsreise erzählen, weil dein Kind ein Sternenkind ist. Wenn dem so ist, kannst du, wenn es sich gut für dich anfühlt, sowohl das Geburtsgespräch durchführen und auch die Übung zum rosaroten Herzensfaden machen.

Eine Audio-Anleitung zum Herzensfaden findest du hier: Deine Audio-Anleitung zur Visualisierung „Der Herzensfaden“.

Fazit

Sowohl das Bonding-Bad, das Heilgespräch als auch der Herzensfaden sind wunderbare Möglichkeiten, mit deren Hilfe du die Bindung zu deinem Kind stärken und intensivieren kannst und auch eine schwierige Geburtserfahrung verarbeiten kannst. Es bleibt ganz dir überlassen, ob du alle drei Rituale machst oder nur eines davon. Hör einfach auf dein Bauchgefühl und entscheide danach.

Der Herzensfaden kann zu Kindern jeden Alters entwickelt werden. Es ist nie zu spät dafür. Es versteht sich auch von selbst, dass sich diese Möglichkeit nicht nur auf dein Kind/deine Kinder beschränkt. Du kannst diese Verbindung zu jedem deiner Herzensmenschen auf diese Weise imaginieren.

Ich ermuntere übrigens auch den Vater dazu mit dem Herzensfaden zu arbeiten. Ganz egal, ob in der Schwangerschaft, während der Geburt oder danach.

 

Alle diese Rituale kannst du natürlich auch dann durchführen, wenn die Geburt deines Babys eine wundervolle Erfahrung gewesen ist! Sie stärken und fördern dann noch zusätzlich eure Bindung!

 

Nun bist du dran!

Hast du schon Erfahrung mit dem Herzensfaden und dem Heilgespräch?

Kennst du vielleicht andere schöne Möglichkeiten, um entweder eine schwierige Geburt zu verarbeiten oder um die Bindung zwischen Mama und Baby zu stärken?

Oder hast du vielleicht eine Frage zum Thema?

Ich freu’ mich über jeden Kommentar!

 

Literatur: Messner, B. (2013). Emotionale Narben aus Schwangerschaft und Geburt auflösen: Mutter-Kind-Bindungen heilen oder unterstützen – in jedem Alter. Eigenverlag.

2 Kommentare
  1. Heike
    Heike says:

    Hallo Tanja,
    ich danke dir für diesen tollen Artikel.
    Die Geburten meiner drei Kinder waren alle nicht so, wie man sich das vorstellt. Mal abgesehen davon welche Geburt schon so ist, wie frau sich das wünscht…
    Zu einem Kind konnte ich erst nach einem Jahr sagen „Ich liebe dich“, obwohl es gewollt war, aber die Umstände dann einfach schwierig waren.
    Wie du schreibst, es ist nie zu spät ein Band zu spinnen und offen mit den Kindern über traumatische Ereignisse zu sprechen.
    Schade, dass noch so vieles tabu ist in unserer Gesellschaft, bzw. einfach „normal“.
    Liebe Grüße
    Heike

    Antworten
    • Tanja
      Tanja says:

      Liebe Heike,

      danke, dass du von deinen Erfahrungen berichtest!
      Ein Kind zu bekommen ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau. Eigentlich ein richtig „einschneidendes“ Erlebnis, so ein „Live-Event“. Dazu gehören ja auch Lebensstationen wie Schulabschluss, Heirat etc….Da passiert einfach ganz viel.

      Jede große Umbruchsituation hat zwei Seiten. Ich stelle mir dabei das Bild einer Medaille vor. Den Spruch „Jede Medaille hat zwei Seiten“ kennt man ja. Eine Seite der Medaille „Ein Kind bekommen“ glänzt wunderbar, hell und strahlt. Es gibt ganz viel unbeschreiblich Positives. Soviel, dass man oft das Gefühl hat, dass man vor lauter Glück und Liebe platzen könnte….

      Die andere Seite der Medaille ist oft versteckt und da wird nicht so gerne hingeschaut. Da gibt es Dinge wie traumatische Geburten, Wochenbettdepressionen, generell herausfordernde Situationen im Leben mit Kindern… Und da bin ich genau Deiner Meinung. Das ist noch zu sehr mit einem Tabu besetzt….

      Das zu ändern und mehr über diese Seite der Medaille zu sprechen und Aufmerksamkeit zu schaffen, ist eine meiner „Missionen“ in Form des Blogs. Und gleichzeitig aber natürlich die wunderbaren und schönen Dinge auch im Auge zu behalten.

      Liebe Grüße,
      Tanja

      Antworten

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