Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt: Die 8 besten Tipps zur Vorbereitung

Die Geburtenstatistik spricht eine deutliche Sprache. Die Rate an Kaiserschnitten steigt beinahe jährlich an.

Die WHO sagt nach wie vor, dass die Rate an medizinisch wirklich notwendigen Kaiserschnitten bei 10 bis 15% anzusiedeln ist. Davon sind wir im deutschsprachigen Raum weit entfernt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt die Kaiserschnittrate jeweils um die 30%. Beinahe jedes dritte Kind kommt durch eine Kaiserschnittgeburt zur Welt.

Als Folge der hohen Kaiserschnittrate steigt die Zahl der Frauen, die sich nach einem Kaiserschnitt eine natürliche Geburt wünschen.

 

Dein Wunsch nach einer natürlichen Geburt nach einem Kaiserschnitt:

Hattest Du einen Kaiserschnitt und wünschst dir für eine nächste Geburt, dass du dein Kind “spontan” zur Welt bringst?

Bist du vielleicht gerade schwanger und bereitest dich auf eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt (VBAC) vor?

Möchtest Du sehr gerne die Erfahrung einer natürlichen Geburt haben?

Du wünschst dir, dass du die Chance auf eine spontane Geburt bekommst?

Das Gefühl einer selbstbestimmten Geburt?

Aus eigener Kraft dein Kind gebären?

Möchtest du dich auf die nächste Geburt besonders gut und gründlich vorbereiten?

 

Dann bist du hier richtig!

Mit diesem Artikel zeige ich dir das Geheimnis einer gelungenen Geburt nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt  und gebe dir die besten Tipps für eine optimale Vorbereitung auf deine VBAC mit.

 

1. Einmal ein Kaiserschnitt – immer ein Kaiserschnitt? Besorge dir die richtigen Infos!

Diesen Satz hast du sicher schon einmal gehört? Gerade um dieses Thema herum gibt es Fehlinformationen. Falsche Informationen können Dich verunsichern in deinem Wunsch nach einer Spontangeburt nach Kaiserschnitt.

Du wirst mit Fragen konfrontiert nach

  • Häufigkeit eines Gebärmutterrisses
  • Kontraindikationen für eine VBAC (uterine Schnittführung)
  • Anwendung einer PDA
  • Sicherheit einer Geburtseinleitung
  • Möglichkeit einer Steißgeburt nach einem Kaiserschnitt
  • Risiko einer Zwillingsgeburt nach einem Kaiserschnitt

 

Informiere dich. Lies. Sauge alle verfügbaren Fakten auf. Bekomme einen Überblick über Risiken, Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten!

Die wissenschaftlich korrekten Informationen befähigen dich dazu, eine “informierte Entscheidung” zu treffen. Eine Entscheidung, die dich in deiner Selbstbestimmung und deinem Vertrauen in deine Kompetenzen stärkt. Das bringt dir Sicherheit und nimmt Ängste und Sorgen.

Mit den richtigen Informationen und Statistiken kannst du deinen Wunsch anderen gegenüber untermauern. Wirst du mit Skepsis gegenüber deinem Wunsch konfrontiert?

 

Das Buch schlechthin im deutschsprachigen Raum ist “Meine Wunschgeburt” von Ute Taschner und Kathrin Scheck. Darin findest du alle wichtigen Fakten, um dich optimal auf deine Spontangeburt nach Kaiserschnitt vorzubereiten. Die beiden Autorinnen widmen sich unter anderem den Fragen:

“Wann ist eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt möglich?”

“Mögliche Komplikationen und Gefahren?”

“Erfolgschancen und Rahmenbedingungen?”

 

Ute Taschner ist als Ärztin genau in der Situation gewesen, in der du gerade bist. Nachdem ihre beiden ersten Kinder per Sectio geboren wurden, kamen sowohl ihr drittes als auch ihr viertes Kind auf natürlichem Wege zur Welt. Auf ihrem Blog veröffentlicht Ute in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten aus der Forschung, Geburtsberichte von Geburten nach einem oder mehreren Kaiserschnitten und Interviews mit Experten: Geburt nach Kaiserschnitt

 

Caroline Oblasser, Ulrike Ebner und Gudrun Wesp haben sich dem Thema Kaiserschnitt auf einer allgemeineren Eben genähert. In ihrem Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” kommen sowohl Kaiserschnittmütter und GeburtshelferInnen mit ihren jeweiligen Erfahrung zu Wort. Sich mit den unterschiedlichen Blickwinkeln auseinanderzusetzen kann dir auf deinem Weg zu einer natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt hilfreich sein. Auseinandersetzen mit dem was war und mit dem was wieder sein kann.

Diese Internetseiten widmen sich ganz dem Thema VBAC und bieten dir eine Fülle an Informationen:

bauchgeburt.de

Kaiserschnitt Netzwerk

Geburt nach Kaiserschnitt

VBAC Facts

Childbirth Connection

http://www.vbac.com

ICAN – International Cesarean Awareness Network

 

Ein weiterer Baustein in deiner Informationsbeschaffung ist dein Geburtsbericht. Eine Kopie deiner Krankenakte bzw. deines Geburtsberichtes muss dir das Krankenhaus, in dem der Kaiserschnitt stattgefunden hat, übergeben.

Ich kann es dir sehr ans Herz legen, dir deine Unterlagen zusammen mit deiner Hebamme anzuschauen. Du kannst herausfinden, welche Faktoren oder Umstände vielleicht dazu beigetragen haben, dass du einen Kaiserschnitt gehabt hast. Diese Informationen kannst du nutzen, um für die nächste Geburt bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und Routineabläufe und -interventionen kritisch zu hinterfragen.

 

2. Alte Wunden können heilen: Versöhne dich mit deiner Kaiserschnittgeburt!

Wie geht es dir mit dem Gedanken an die Kaiserschnittgeburt?

Ist es ein Ereignis mit dem du dich schon angefreundet hast und es einfach als einen Teil deiner Lebensgeschichte betrachten kannst?

Nein? Dann kannst du die Zeit jetzt nutzen und dich an die Verarbeitung machen. Es gibt wirklich viele tolle Möglichkeiten, um das zu tun!

Fragst du dich gerade warum verarbeiten?

Negative und belastende Erlebnisse hinterlassen Spuren. Sie können mit uns, auch wenn sie vergangen und erledigt sind, im Hier und Jetzt etwas machen. Sei es vielleichte eine große Angst, die da noch ist und blockieren kann. Im ungünstigsten Fall gibt es implizite Erinnerungen an das Ereignis, welche im Wachbewusstsein dem Großhirn (Neocortex) nicht zugänglich sind. Wenn diese unverarbeiteten Erinnerungsteile auf “Trigger” stoßen, dann kann es passieren, dass man sowohl körperlich als auch emotional in negative Zustände geworfen wird, die ursächlich mit dem schwierigen Geburtserlebnis zu tun haben.

Hier habe ich zu Möglichkeiten geschrieben, wie du deinen Kaiserschnitt verarbeiten und integrieren kannst: Wie du eine schwierige Geburt verarbeiten kannst

Neben den Werkzeugen, die ich dir in diesem Artikel zeige, sind traumatherapeutische Techniken sehr effektiv. In kurzer Zeit und mit nur wenigen Sitzungen ist es möglich, das negative Erlebnis Kaiserschnitt so in deine Lebensgeschichte zu integrieren, dass es im Hier und Jetzt nichts mehr mit dir macht. Zu diesen Methoden zählt beispielsweise EMDR und EMI Eye Movement Integration:

EMDR Institut Austria

EMDR Netzwerk Österreich

EMDRIA Deutschland

EMDR Institut Deutschland

EMDR Schweiz

EMDR Institut Schweiz

EMI Eye Movement Integration (TherapeutInnenverzeichnis für D-A-CH)

 

3. Such dir die optimale Gebärumgebung!

Ein wichtiger Faktor, wenn es um deine geplante Spontangeburt nach Kaiserschnitt geht. Du kannst zwischen Krankenhaus, Belegklinik, Geburtshaus und Hausgeburt wählen. Dir stehen auch nach einem Kaiserschnitt alle Optionen offen.

Wie entscheidest du jetzt, wohin du zur Geburt gehst? Zum einen schau was dein Bauchgefühl sagt. Eine Geburtsumgebung, in der du dich wohl und sicher fühlst fördert den Geburtsprozess.

Zum anderen erkundige dich nach der Statistik. Frage danach, wie viele Frauen die Chance bekommen eine Spontangeburt zu versuchen? Wie hoch ist die Rate an gelungenen VBACs? Wie schaut es mit der Möglichkeit nach einer PDA aus? Wann wird eingeleitet und mit welchen Methoden?

Eine motivierende Begleitung unterstützt dich und auch deinen Partner ungemein!

 

4. Deine VBAC beginnt in deinem Kopf: Schaffe dir das optimale Mindset!

Mindset?

Damit meine ich deine Vorstellungen, inneren Bilder und Glaubenssätze. Geburt berührt auf tiefen Ebenen. Es geht um die Vorstellung bzw. Erwartung an sich selbst im Hinblick auf das Frau-Sein…auf die Gebär”fähigkeit”. Es geht oft um Themen des eigenen Selbstwertes, des Leistungsanspruchs, Scham und auch Schuld.

Geh einen Moment in dich hinein. Schau einmal, welche Bilder, Vorstellungen und Glaubenssätze auftauchen, wenn du an Geburt denkst?

Welche Geschichten habe ich in meiner Kindheit bekommen, wenn es um Gebären geht?

Wie schaut es jetzt aus nachdem du eine Kaiserschnittgeburt hattest? Gibt es da Gefühle oder Gedanken, von denen du dir vorstellen kannst, dass sie dich in der Vorbereitung auf deine VBAC “einschränken”?

Hast du sehr große Angst vor einem erneuten Kaiserschnitt? Vor dem “Scheitern”? Willst du um jeden Preis eine natürliche Geburt? Ich schreibe das wirklich absichtlich so provokant. Vielleicht tauchen genau da Punkte auf, die dir bis jetzt so nicht bewusst waren und wo es sich auszahlt genauer hinzuschauen.

Hört sich gut an? Mit den Altlasten aufzuräumen und Platz für neue, positive Erfahrungen zu schaffen? Spätestens jetzt fragst du dich sicher: “Aber WIE?”

Hypnose zur Geburtsvorbereitung, also das Erlernen von Selbsthypnose und die Arbeit mit inneren Bildern (Imagination)  in hypnotischen Trancezuständen ist eine feine Sache. Du lernst, dich ganz gezielt selbst in einen fokussierten Entspannungszustand zu bringen. Mit Hilfe der Trancetechniken arbeitest du an wichtigen Themen, wie beispielsweise Ängsten.

Neben Hypnobirthing arbeite ich sehr gerne mit Achtsamkeit bzw. Mindfulness. Das Training mit Achtsamkeitselementen bietet dir die Chance, dass du – egal wie deine geplante VBAC ausgeht – mit einem positiven Gefühl rausgehen kannst. Zum optimalen Mindset gehört es (für mich) auch dazu, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es doch wieder ein Kaiserschnitt sein kann. Aus welchen Gründen auch immer.

Du kannst mit dir und der Geburt zufrieden sein, zurückblicken und sagen: “Ja, es ist so.”

 

Zur positiven Einstimmung und zur Arbeit an deinem Mindset lege ich dir diese Bücher ans Herz:

Autogene Geburt (Tatje Bartig-Prang)

Der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt (Nancy Bardacke)

Positive Birth (Jasmin Nerici)

Die selbstbestimmte Geburt  (Ina May Gaskin)

Childbirth without Fear (Grantly Dick-Read)

Gebären ohne Aberglaube (Alfred Rockenschaub)

Geburt und Stillen: Über die Natur elementarer Erfahrungen (Michel Odent)

 

5. Körper und Seele sind eine Einheit: Arbeite mit deinem Körper!

Dein Körper und dein Geist bzw. deine Seele sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Emotionen und Gefühle haben ihre direkte Wirkung auf deinen körperlichen Zustand.

Kennst du das, wenn du eine Präsentation machen musst oder vor vielen Menschen sprechen sollst und sich dein Lampenfieber oder deine Angst sofort auf körperlichen Ebene zeigt? Dein Herz fängt wie wild zum Pochen an. Du beginnst zu zittern und es schnürt dir förmlich die Kehle zu? Und vielleicht beginnen deine Hände noch zu schwitzen?

Die guten Neuigkeiten: Das ist keine Einbahnstraße. Du kannst über direkte “Arbeit” mit deinem Körper deine Emotionen und deinen “Gemütszustand” beeinflussen. So hat man herausgefunden, dass beispielsweise bestimmte Körperhaltungen Auswirkungen auf die Ausschüttung bestimmter Hormone hat! Amy Cuddy: Ihre Körperhaltung beeinflusst, wer Sie sind.

Yoga, Spazieren und Wandern, Massagen, Shiatsu und Tanzen sind Werkzeuge mit deren Hilfe du ganz in deinem Körper präsent bist und deine Emotionen und Gefühle positiv beeinflusst.

 

6. Das Dream-Team: Hole deinen Partner mit an Bord!

Wie geht es deinem Partner mit dem Gedanken an eine natürliche Geburt nach dem vorangegangenen Kaiserschnitt?

Sollte dein Partner Bedenken haben und sich Sorgen um das Wohlergehen deines Babys und dir machen, dann braucht er vielleicht einfach auch weitere Informationen. Fakten dazu, wie häufig ein Gebärmutterriss nach einem Kaiserschnitt passiert. Welche Faktoren die Wahrscheinlichkeit einer gelungenen Spontangeburt erhöhen. Frage deinen Mann bzw. deinen Freund, ob er Fragen hat und worüber er sich vielleicht Sorgen macht.

Vielleicht habt ihr ja Lust mit eurer Hebamme zu sprechen. Die Meinung einer Fachperson zu hören, kann oftmals sehr hilfreich sein und Sicherheit vermitteln.

 

7. Du bist nicht alleine: Tausche dich mit anderen Frauen aus!

Es kann sein, dass Frauen die eine Kaiserschnittgeburt hatten und darüber traurig und enttäuscht sind, in ihrer unmittelbaren Umgebung wenig bis gar kein Verständnis bekommen. Leider stehen der Partner oder die Angehörigen nicht immer hinter dem Wunsch nach einer vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt.

Wenn es dir so geht, dann kennst du vielleicht Aussagen wie: “Sei doch froh, dass du ein gesundes Kind hast” oder “ Das ist doch zu viel gefährlich. Willst du dein Baby und dich gefährden?”

In diesen Facebook-Gruppen und Internetforen findest du Frauen, die mit dir im gleichen Boot sitzen. In einer Gemeinschaft mit Menschen zu sein, die gerade den gleichen Weg gehen, ist sehr stärkend und motivierend. Abgesehen davon, dass der Austausch gut tut, findest du in diesen Gruppen viele Informationen:

 

Natürlich und selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt – VBAC

VBAC Germany – Gruppe

VBAC Success Stories

VBAC and Birth after Cesarean Facts – Evidence Based Support

Eltern.de Forum Kaiserschnitt

Rund ums Baby.de Forum Kaiserschnitt

Das Kaiserschnitt – Netzwerk Onlineforum

 

8. Eine weitere Hauptrolle: Dein Baby!

Deinen wichtigsten Partner für deine Geburtsreise habe ich noch gar nicht erwähnt: dein Baby!

Es ist dein Verbündeter für deinen Wunsch nach einer natürlichen Geburt. Die pränatale Psychologie beschäftigt sich schon einigen Jahren mit der Frage, wie bewusst Babys die Zeit der Schwangerschaft erleben. Aus zahlreichen Erfahrungen weiß man, dass dies schon ab einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft beginnt.

Widme dich ganz bewusst deinem Baby. Gehe in intensiven Kontakt und stärke eure Bindung und erzähle deinem Baby von den Dingen, die dich beschäftigen.

Berichte ihm davon, wie du dir die Geburt vorstellst!

Eine meiner Lieblingsübungen dazu ist der Herzensfaden. Hier habe ich schon mal darüber berichtet. Mach es dir zu einem täglichen Ritual diese Übung zu machen!

 

Aus der Praxis: Die besten Experten-Tipps für dich!

Was sagen andere Experten, die sich in ihrer täglichen Arbeit genau mit der Frage nach der besten Vorbereitung auf eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt beschäftigen und Frauen begleiten? Ich habe mich für dich umgehört:

 

Judith Raunig

“Aus psychotraumatologischer Sicht ist es extrem wichtig und hilfreich, die erste Geburt gut verarbeitet zu haben, sofern diese belastend gewesen ist.  Denn auch wenn es der „Kopf“ schafft, die erste Geburt weg zu schieben, der Körper erinnert sich immer- und das spätestens während der Geburt.

Ein aufgelöstes erstes Geburtserlebnis macht also nicht nur den Kopf frei für alles was kommt, sondern gibt auch dem Körper die Chance frei und unbeschwert in die Folgegeburt zu gehen und in dieser auf sein Potential zurückgreifen zu können.

Ja, und der zweite Tipp wäre die gute, überlegte Wahl des Ortes und der Begleitung- denn ich kann noch so viel an mir gearbeitet haben, wenn ich in ein Haus mit 60% Sectiorate gehe (oder mit einem Geburtshelfer, der Pro-Sectio eingestellt ist), wird es wahrscheinlich schwer werden mit der VBAC.”

Judith Raunig ist Klinische- und Gesundheitspsychologin. Sie ist spezialisiert auf die Behandlung von Frauen und Paaren nach traumatischen Geburten. Zusammen mit Mirjam Unger entstand der Film “Meine Narbe”.

Du findest Judith auf ihrer Website “Nach dem Kaiserschnitt

 

Ute Taschner

“In Deutschland bekommen 74% aller Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, einen nächsten Kaiserschnitt. Eine sehr hohe Zahl auch im europäischen Vergleich. Aber die Mütter in Deutschland sind natürlich nicht kränker oder haben mehr Risiken, als in anderen Ländern. Häufig spielen nichtmedizinsche Gründe (bessere Planbarkeit, das Gefühl von mehr Sicherheit durch einen Kaiserschnitt, viel zu hoch eingeschätzte Risiken und der Wunsch der Ärzte nach rechtlicher Absicherung) eine große Rolle bei der Indikationsstellung. (Das schreibst Du vielleicht selbst im Artikel, oder?)

Das bedeutet, wenn ich nach einem Kaiserschnitt eine natürliche Geburt wünsche, dann muss ich mich vorbereiten. Ich muss so viele Informationen sammeln, Bücher verschlingen und Artikel lesen, wie möglich. Nur wenn ich wirklich gut informiert bin, kann ich auch informiert entscheiden. Nur dann weiß ich z.B. dass das Risiko für eine echte Ruptur bei nur 0,2% liegt, also bei 2 von 1000 Müttern mit Kaiserschnitt in der Vorgeschichte.

Ich sollte weiterhin den Grund des Kaiserschnittes bei der vorherigen Geburt genau kennen und die Abläufe, die dazu geführt haben auch. Nur so kann ich einen ähnlichen Verlauf beim nächsten Mal hoffentlich vermeiden. Zudem halte ich persönlich es für ganz wichtig, die zurückliegende Geburt wirklich verarbeitet und mich mit möglichen Ängsten beschäftigt zu haben. Ganz wichtig ist es außerdem, den Ort der Geburt und meine Begleiter sorgfältig auszuwählen. Während der Geburt sollten medizinische Eingriffe mit sehr großer Vorsicht oder am besten gar nicht erfolgen um keine Interventionskaskade in Gang zu setzen.

Und wenn ich all das getan habe, dann muss ich irgendwann auch loslassen können und die nächste Geburt so annehmen, wie sie nunmal ist. Denn eine Geburt kann man nicht steuern. Man kann nur die bestmöglichen Voraussetzungen für das Gelingen schaffen.”

Du findest Ute Taschner auf ihrem Blog Geburt-nach-Kaiserschnitt

 

Olivia Heiss

„Betreibe Ursachenforschung:  Warum kam es damals zu dem Kaiserschnitt und würde sich dieser Grund bei einer neuen Geburt eventuell beheben lassen und wenn ja wie?

Folgende Fragen kannst du dir dabei stellen:

War es ein Wunschkaiserschnitt?

Lag es „am Kind“ z.B. schlechte Herztöne?

Oder an einem sog. „Geburtsstillstand“ ?

Wie war die Betreuung während der Geburt? Hatte das Personal Zeit für dich und wurden alle Möglichkeiten, um die spontane Geburt zu fördern, vor dem Kaiserschnitt ausgeschöpft?

Suche dir für die bevorstehende Geburt eine gute Begleitung: Nicht alle stehen einer VBAC gleich offen gegenüber und bringen entsprechende Erfahrung mit. Spreche mit deiner Geburtsklinik oder Hebamme der Wahl im Vorfeld über deinen Wunsch und wie diese dich darin unterstützen können: Wird ein natürlicher Geburtsbeginn abgewartet und ist eine engmaschige Begleitung während der Geburt gewährleistet? Wird so wenig wie möglich in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen (insbesondere Verzicht auf die Gabe von Wehenmitteln?) Zögere nicht, wenn möglich auch noch eine zweite oder dritte Klinik aufzusuchen, wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht für dich passt.“

Olivia Heiss ist Hebamme und schreibt auf ihrem Blog Hebammenwissen zu vielfältigen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und der Babyzeit.

 

Fazit

Du siehst, du kannst ganz schön viel tun, in deinem Wunsch nach einer selbstbestimmten Geburt nach einem Kaiserschnitt:

  • Informationen
  • Verarbeitung der Kaiserschnittgeburt
  • Wahl des optimalen Geburtsortes
  • Mindest
  • Arbeit mit dem Körper
  • Geburtspartner
  • Austausch mit anderen Frauen
  • Kontakt zu deinem Baby

 

Für mich besteht das Geheimnis einer gelungenen, erfolgreichen Geburt nach einem Kaiserschnitt nicht darin, ob die Geburt nun ein erneuter Kaiserschnitt oder eine vaginale Geburt ist.

Ich denke es geht darum, dass du hinterher mit dir zufrieden sein kann. Es geht darum, dass du mit dem Gefühl alles in deiner Macht stehende getan zu haben auf die Geburt zurückblicken kannst.

Es geht darum, dass du einen informierten und selbstbestimmten Weg in Richtung deiner VBAC gehst.

Wenn es um den Geburtsprozess geht, dann wird es immer einen Teil oder Bereich geben, der von uns nicht kontrolliert oder bestimmt werden kann. Trotz der besten und gründlichsten Vorbereitung und der idealsten Bedingungen, die man sich nur vorstellen kann.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen eine Geburt, mit der du zufrieden sein kannst!

 

Jetzt bist du dran!

Wie hast du dich auf deine Geburt nach dem Kaiserschnitt vorbereitet?

Hast du noch einen Geheimtipp auf Lager, den du gerne teilen möchtest?

Hast du eine Frage?

Schreib‘ mir einen Kommentar!

 

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Titelbild: Birth Becomes Her

4 Kommentare
  1. Katrin
    Katrin says:

    Bei der ersten Geburt hatte ich einen Kaiserschnitt aufgrund einer geburtsunmöglichen Lage. Das Gefühl „es nicht natürlich geschafft zu haben“ hat mich seitdem nicht ganz losgelassen. Die zweite Geburt hat wundersam natürlich geklappt und mich versöhnt. Zu verdanken ist das auch einer sehr guten Hebamme, die mir während der Geburt immer wieder Mut zugesprochen hat.

    Antworten
    • Tanja Liebl
      Tanja Liebl says:

      Liebe Katrin,

      danke für Deinen Kommentar! Ganz oft kann eine natürliche Geburt nach einem KS eine heilsame Wirkung haben. Es freut mich, dass Du diese Erfahrung haben konntest. Lieben Gruß, Tanja

      Antworten

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