Wochenbett Geburt Stillen

Wochenbett-Geschichte #1: „Und so soll mein Leben in Zukunft ausschauen?“

„Und so soll meine Leben in Zukunft ausschauen?“ – Diesen Gedanken im Wochenbett zu haben ist gar nicht ungewöhnlich. In Mitten von Hormonen, Tränen, Schlafmangel und schreiendem Baby kann sich ein Moment wie eine Ewigkeit anfühlen.

Geburtsgeschichten werden viele erzählt. Geschichten über das Wochenbett nicht so sehr.

Diese Reihe der Wochenbett-Geschichten soll das ändern. Auch wenn die Geburt und die Vorbereitung darauf in der Schwangerschaft oftmals im Vordergrund steht, verdient auch das Wochenbett Aufmerksamkeit.

Den Auftakt macht die Wochenbett-Geschichte einer jungen Mama, die auf eigenen Wunsch hin gerne anonym bleiben möchte.

Eine Besonderheit ihrer Wochenbett-Geschichte ist die Tatsache, dass sie von Beginn an alleinerziehend ist und vom Vater ihres Babys getrennt ist.

 

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Da mein Baby 2 Wochen nicht mehr gewachsen ist, wurde ich ins Krankenhaus  geschickt und die Geburt wurde eingeleitet. 3 Tage wurde mir ein Gel vaginal gelegt und das 3 mal am Tag. Ich hatte Schmerzen und es schlug mir sehr auf die Psyche. Den 4. Tag bekam ich einen Wehencocktail. Nun bekam ich endlich Wehen und nach 14 1/2 Stunden war mein Baby da. Die Einleitung war der Horror, aber die Geburt an sich wunderschön.

Meine Mutter war bei der Geburt dabei, da ich nicht alleine sein wollte. Mein Freund hat mich kurz vor der Geburt verlassen. Ich hatte viele Sorgen und Ängste, die mir das Leben vor und nach der Schwangerschaft nicht einfach machten.

So – nun war er da mein Sohn und ich betrachtete ihn voller Stolz und konnte es nicht glauben. Ich bekam Ben nachts und kam mit ihm so gegen 6 Uhr aufs Zimmer. Ich war sehr, sehr müde – doch an Schlaf war nicht zu denken. Es wurde Tag und ich bekam Besuch von meiner Familie. Ben war sehr ruhig und schlief nur. Ich wollte ihn stillen, doch irgendwie war mir alles zu viel und ich hätte ununterbrochen heulen können…aber so richtig heulen.

Es wurde Abend und mein Sohn fing schrecklich an zu weinen. Das ging die ganze Nacht so. Ich war fertig mit den Nerven und fühlte mich alleine gelassen mit einem Baby und bekam immer wieder dieses schreckliche Gefühl meinem Baby nicht gerecht werden zu können. Die Nachtschwester war super lieb und redete viel mit mir.

Am nächsten Tag kam wieder Besuch und abends dasselbe Spiel mit dem Weinen… Ich habe wirklich tagelang nicht geschlafen nach der Geburt. Ich fragte mich immer: Und so soll mein Leben in Zukunft aussehen? Ja, ich liebe mein Baby und war wahnsinnig stolz auf ihn, aber ich war einfach körperlich so fertig und auch vom Kopf her!

Jeder erwartete von mir glücklich zu sein und nur Freude auszustrahlen und –  ja ich war glücklich, aber ich wollte den ganzen Tag einfach nur heulen. Bei jedem Stillen und bei jedem Toilettengang fing ich an zu weinen… Nach 3 Tagen durfte ich nach Hause und ich freute mich darüber, aber ich hatte auch Angst. Meine Mutter übernachtete die ersten 5 Tage mit bei mir und half mir mit meinem Sohn. Darüber bin ich ihr heute noch sehr dankbar!

Die erste Nacht mit meinem Kind alleine: Ich hatte große Panik und Angst etwas falsch zu machen. Mein Sohn hatte die Koliken und weinte vor allem abends und nachts sehr viel. Verzweiflung kam in mir hoch. Sobald er dann mal schlief konnte ich nicht schlafen, sondern musste immer weinen… er tat mir leid!

Ich muss sagen, ich hatte drumherum sehr viel privaten Ärger mit dem Papa von meinem Kind. Es setzte mir psychisch sehr zu, aber darüber sprechen, wie es mir wirklich geht konnte ich irgendwie nicht…  

Meine Hebamme kam jeden Tag und schaute nach mir und Ben. Sie hat ihn gewogen und alles andere angeschaut. Mein Sohn entwickelte sich super.

Die ersten Wochen waren sehr schwer für mich. Auf der einen Seite war das Wochenbett das schönste in meinem Leben -so im Nachhinein betrachtet – dieses kleine Wesen aufwachsen zu sehen, mein Fleisch und Blut. Doch auf der anderen Seite war es der reinste Horror durch das Drumherum und meine kaputten Nerven.

Doch heute (Baby ist 6 Monate alt) kann ich von mir sagen: Ich habe all das alleine geschafft und kann wahnsinnig stolz sein! Mein Sohn ist mein ganzer Stolz und macht mich zur glücklichsten Mami der ganzen Welt.

Wir Frauen sind so stark, wenn es um unsere Babys geht! Dennoch sollte man sich mehr mit diesem Thema Wochenbett beschäftigen. Man traut sich so einiges nicht offen anzusprechen in dieser Zeit da man doch schnell verurteilt wird.

Ganz schlimm war es für mich von Freundinnen und Bekannten hören zu müssen, ich verwöhne mein Kind und es weint deshalb so viel und ihre Kinder sind ja so viel lieber und schreien nicht und und und…….

Genau solche Sätze setzen einem psychisch zu und machen eine frisch gebackene Mama runter…. aber Feingefühl kennt leider nicht jeder Mensch und zu diesen Leuten habe ich heute kein Kontakt mehr.

Was mir wirklich sehr zu schaffen gemacht hat, war dieser Druck von der Gesellschaft. Diese Vorschriften, dass mein Baby durchschlafen muss. Ich soll es schreien lassen. Nicht so viel tragen. Ach – da fällt mir gewiss noch mehr ein.

Eine Mama hat von Natur aus einen Instinkt für Ihr Baby/Kind und genauso handhabe ich es nur noch.

Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und nicht auf andere. Habe ich das Verlangen mein Baby zu tragen weil es uns beide gut tut, dann mach ich es! Stille ich es alle 5 Minuten, weil es das Einzigste ist was es beruhigt, dann mach ich es!

Wichtig ist auch zu wissen, dass jedes Baby individuell ist und jede Mama Dinge anders handhabt. Dies heißt aber nicht, dass die eine es falsch macht und die andere richtig. Man entscheidet sich für den passenden Weg für sich und sein Kind da gibt es kein Richtig und Falsch.

 

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Fühlst du dich von dieser Wochenbett-Geschichte angesprochen?

Wie war deine Wochenbett-Zeit?

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Deine Geburtserfahrung gehört dir – du bestimmst, wie deine Geburt gewesen ist

 

Liebe Nina,

ich schreibe diese Zeilen heute an dich und stellvertretend an die vielen Mütter da draussen, die ähnliche Gedanken und Gefühle haben, wie du.

Es geht um deine Geburtsgeschichte – um deine Geburtserfahrung.

Mir ist es ein Herzensanliegen diese Wort in die Welt hinauszutragen, denn ich sehe, wie dich deine Geburtsgeschichte und die Auswirkungen beschäftigen.

Du begegnest mir in Facebook-Gruppen und in Internetforen, in Kommentaren unter Blogartikeln, in meinen Gruppen zur Geburtsaufarbeitung und auf der Couch in meiner Hebammen-Ordination.

In deinem tiefsten Inneren weißt du und spürst du, dass dein Geburtserlebnis nicht schön und nicht ok gewesen ist. Im Gegenteil. Du hast eine Erfahrung gemacht, von der du dir vorher nicht einmal vorstellen hast können, das dies möglich ist.

 

Anders als erwartet

Du hast dich so auf dieses Abenteuer der Geburtsreise gefreut. Du hast es kaum erwarten können, dein Baby in den Armen zu halten und es endlich kennenzulernen. Ihm tief in die Augen zu schauen. Du hast dich auf die Geburt vorbereitet, dich eingestimmt und bist voller Zuversicht gewesen.

Und dann ist alles anders gekommen.

Deine Geburt ist nicht so gelaufen, wie du es dir gewünscht hast. Deine Geburtsreise hat einen anderen Weg eingeschlagen und dabei hast du dich im Stich gelassen gefühlt. Von den Personen, die dich eigentlich gut begleiten hätten sollen. Du hast dich hilflos und völlig ausgeliefert gefühlt. Die Ereignisse haben dich überrollt und du hast dich nicht mehr selbstbestimmt und in deiner Kraft gefühlt.

Irgendwie hast du die Geburt geschafft und überstanden.

Diese kostbare Zeit direkt nach der Geburt deines Babys ist dann möglicherweise auch noch “gestört” worden. Diese wichtige Zeit für das Bonding – diesen Bindungsaufbau zwischen deinem Baby und dir. Worüber du in der Schwangerschaft gelesen und gehört hast. Du wolltest diesen Moment besonders genießen. Dieser Augenblick, wenn das Baby auf die nackte Brust der Mama gelegt wird.

Dein Baby ist vielleicht gleich von dir getrennt worden, weil es medizinische Versorgung gebraucht hat. Oder du bist einfach durch die Geburtserfahrung so fertig mit der Welt gewesen, dass du nur froh und erleichtert gewesen bist, dass “es” endlich vorbei war.

Möglicherweise sind diese Augenblicke durch die ganzen Routinemaßnahmen gestört worden: Nähen und Versorgen von Geburtsverletzungen, Saubermachen, Baden und Wiegen deines Babys….

Vielleicht ist es dann im Wochenbett weiter gegangen.

Das Stillen ist dir nicht so leicht gefallen. Du wurdest von der Intensität der ersten Tage überrascht. Du hast dein Baby erst kennenlernen müssen. Zu Beginn hast du nicht gewusst, was es von dir will und braucht. Hilfe hätte dir gut getan, doch du hast sie nicht bekommen. Die Krankenschwester oder die Hebamme auf der Wochenbettstation haben deine Not nicht wahrgenommen. Haben deine Verzweiflung, deine Hilflosigkeit und dein Tränen nicht gesehen. Im Gegenteil. Sie hat dir auch nicht unachtsame Kommentare vor die Füße geworfen.

Rückblickend gesehen denkst du dir, dass dies nur „Kleinigkeiten“ sind. Du liest und hörst von ganz anderen Geburtserfahrungen. Da, wo es um Leben und Tod gegangen ist. Da wo die “ganz schlimmen” Dinge passiert sind.

 

„Meine Geburt war nicht so schlimm, wie die von anderen…“

Du kommst dir blöd dabei vor. Mit deiner Geburtserfahrung, die nach aussen hin eh nicht so dramatisch war. Wo Gott sei Dank alles gut gegangen ist. Dein Baby ist gesund. Du bist gesund.

Du denkst dir, dass du keine Recht hast, über dein Geburtserlebnis traurig zu sein. Andere trifft es viel härter.

Und doch.

Tief in deinem Innersten bleiben die Traurigkeit, die Wut, die Enttäuschung, das Schuldgefühl und das Versagen übrig.

Nicht einmal eine “gute” Geburt hast du geschafft. Wie kann ich dann eine gute Mutter sein, denkst du dir…

 

Nina, deine Geburtsgeschichte gehört ganz alleine dir. Vergleiche nicht, wie deine Geburt von außen betrachtet verlaufen ist mit den Geburten anderer Mütter.

Nur du alleine bestimmst, ob deine Geburtserfahrung belastend und enttäuschend war. Auch wenn es andere – viel “schlimmere” Geschichten gibt.

Niemand kann von aussen sagen, was eine schwierige oder traumatische Geburt ausmacht.

Deine Erfahrungen und deine Emotionen, die mit deiner Geburt verbunden sind, sind echt und wirklich. Vergleiche dich nicht mit den Geburten anderer Mütter.

Trau’ dich, deine Gefühle auszusprechen.

Trau dich zu sagen, dass die Geburt nicht so gewesen ist, wie du es dir gewünscht hast. Sag, dass du traurig und enttäuscht bist.

Deiner Hebamme im Wochenbett. Deinem Partner. Deiner Freundin. Anderen Müttern.

Ich wünsche dir, dass du den für die passenden Weg findest, um dich mit deiner Geburtsgeschichte zu versöhnen und dass du die Hilfe und Unterstützung bekommst, die du brauchst.

 

Erkennst du dich in Nina wieder?

Fühlst du dich von den Zeilen angesprochen?

Berührt dich das Thema? Dann teile diesen Artikel liebend gerne.

 

Ich freue mich, wenn du deine Gedanken und Erfahrungen hier mit mir und den anderen LeserInnen teilst.

Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Geburtsgeschichte ist es wert erzählt, gehört und gelesen zu werden.

 

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Eine belastende Geburt verarbeiten: Wie dir Schreiben dabei helfen kann

 

Vielleicht kennst du das, wenn du eine schwierige oder traumatische Geburt erlebt hast: Du spürst, dass es dir gut tun würde alles zu verarbeiten. Da schwirren dir aber so viele Gedanken an die Geburt durch den Kopf und die Emotionen lassen dich auch nicht zur Ruhe kommen. Wo sollst du bloß anfangen? Und womit?

Sich alles von der Seele schreiben

Eine in Beratung und Therapie bewährte Methode, um ein schwieriges Erlebnis zu verarbeiten ist das Schreiben. Damit kann man immer beginnen, es ist leicht umzusetzen und hilft vielen Frauen ein großes Stück weiter.

In meinem Gastartikel bei Jana auf hebammenblog.de gebe ich dir eine ganz konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung und einen 4-tägigen Schreibplan mit an die Hand!

Hier geht es entlang: Eine schwierige Geburt verarbeiten – So hilft dir das Schreiben deines Geburtsberichtes

Schau’ bei Jana vorbei und schreibe deine Erfahrungen oder deine Frage in die Kommentare!

Hypnobirthing Fragen

Hypnobirthing: Was es kann und was es nicht kann

 

Ich war bei Bettie auf ihrem Blog „Das frühe Vogerl“ in ihren Elternfragen zu Gast und habe ihr die Frage danach beantwortet:

„Hypnobirthing: Was verbirgt sich dahinter?“

Für alle Skeptiker vorweg: Hypnose wirkt! Das zeigen zahlreiche Studien und Untersuchungen. Mit bildgebenden Verfahren kann man mittlerweile den direkten Nachweis erbringen, dass Hypnose beobachtbare Effekte in bestimmten Gehirnregionen bewirkt.

So ist Hypnose eine anerkannte wissenschaftliche Methode, die in weiten Bereichen der Human- und Zahnmedizin, Beratung und Psychotherapie zum Einsatz kommt.
Die Anwendungsmöglichkeiten in der Schwangerschaft sind vielfältig: Bei Schwangerschaftsübelkeit, Frühgeburtsbestrebungen, zu hohem Blutdruck, zur Bindungsstärkung, bei Schlafstörungen und zur Entspannungsförderung und Stressreduktion.

 

Lies‘ hier weiter: Hypnobirthing: Eine Hebamme erzählt, was sich dahinter verbirgt

Geburtsvorbereitung Geburtsvorbereitungskurs Tanja Liebl Graz Gleisdorf Weiz

Geburtsvorbereitungskurs – Brauchst du einen?

Du bist schwanger?

Es ist dein erstes Kind? Oder dein zweites, drittes, viertes….?

Du möchtest dich “gut” auf die Geburt vorbereiten. Einfach gewappnet sein?

Zwangsläufig wird dir der Gedanke an Geburtsvorbereitung und einen Geburtsvorbereitungskurs kommen.

Noch bist du dir aber unsicher, ob es sinnvoll ist? Ob du einen Geburtsvorbereitungskurs “brauchst”?

Neulich hatte ich eine Klientin in der Beratung. Sie war gerade in der 20. Schwangerschaftswoche mit ihrem ersten Kind und wollte gerne einen Fahrplan für die kommende Zeit haben. Sie war neugierig welche Themen als Nächstes anstehen und worauf sie achten sollte. Da kam auch die Frage nach der Geburtsvorbereitung auf:

Soll sie Geburtsvorbereitung machen?

Wenn ja, welche Art?

Welchen Geburtsvorbereitungskurs?

Vielleicht stehst du auch gerade vor der Entscheidung? Diese Fragen können dir dabei helfen:

 

1. Was sind deine Erwartungen an Geburtsvorbereitung?

Mit welchem Ziel machst du einen Geburtsvorbereitungskurs? Was ist dein Warum? Welche Erfahrungen möchtest du am Ende des Kurses gemacht haben?

Beantworte diese Fragen vor der Entscheidung, ob du Geburtsvorbereitung machst und wenn ja, welche Art von Kurs. So kannst du die passende Art der Vorbereitung finden. Du gehst dann hinterher zufrieden aus dem Kurs hinaus. Nichts ist blöder als Zeit und Geld in Geburtsvorbereitung zu investieren und danach zu merken, dass es dir nichts bis wenig gebracht hat.

2. Welche Inhalte wünschst du dir?

Wenn du mit der vorigen Frage Klarheit in deine Wünsche und Vorstellungen gebracht hast, so kannst du jetzt überlegen, welche Inhalte für dich wichtig sind. Mit dieser Erkenntnis, suchst du dir die Kursart aus und sprichst dann mit der Kursleiterin über deine Vorstellungen. Es ist eine gute Idee, deine Wünsche und Vorstellung schon bei der Buchung des Kurses zu besprechen. So kannst du abklopfen, ob das Angebot zu dir passt und du gibst der Vortragenden Gelegenheit die Inhalte darauf abzustimmen.

3. Das erste Baby? Oder bist du bereits Profi?

Egal, ob es dein erstes Kind ist oder nicht – Geburtsvorbereitung macht in jeder Schwangerschaft Sinn. In der Schwangerschaft mit dem ersten Kind geht es hauptsächlich um die Vorbereitung auf diese vollkommen neue Erfahrung und die Beantwortung der vielen Fragen, die im Kopf umherschwirren.

Wenn du bereits ein oder mehrere Kinder hast, so ist ein Geburtsvorbereitungskurs eine Möglichkeit dein Wissen aufzufrischen, dich erneut einzustimmen und exklusiv Zeit mit deinem Baby im Bauch zu verbringen.

4. Welche Art der Geburtsvorbereitungskurse gibt es?

Du kannst aus unterschiedlichen Kursen wählen und finden, was du brauchst:

  • Klassischer Geburtsvorbereitungskurs
  • Yoga für Schwangere
  • Schwangerschafts-Gymnastik
  • Mentale Geburtsvorbereitung (Positive Birth, Hypnobirthing, Hypnomentale Geburtsvorbereitung, Mindfulness,…)
  • Stillvorbereitungskurs

5. Gruppenkurs, Einzelvorbereitung oder ein Online-Kurs?

Das hängt wieder ganz von deinen Wünschen und auch deiner Lebenssituation ab. Bist du zeitlich und örtlich nicht flexibel, so kommt ein Online-Geburtsvorbereitungskurs für dich in Frage.

Häh? Online? Ein Geburtsvorbereitungskurs?

Ich finde diese Konzept sehr spannend und sehe einige Vorteile:

Du bist zeitlich und örtlich unabhängig und kannst die Inhalte in deinem Tempo durcharbeiten. Meine Kollegin Olivia von Hebammenwissen arbeitet hier gerade fleißig an ihrem Online-Geburtsvorbereitungskurs.

Wenn du zeitlich eingeschränkt bist, weil du z.B. beruflich eingespannt bist, macht eine Einzel-Geburtsvorbereitung Sinn. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass deine Hebamme bzw. Kursleiterin ganz gezielt auf deine Bedürfnisse (Ängste oder schwierige Geburtserlebnisse) eingehen kann und dir eine maßgeschneiderte Vorbereitung bietet.

Ein Gruppenkurs wiederum ist eine Gelegenheit, sich mit anderen Schwangeren auszutauschen und vernetzen.

6. Wann ist der beste Zeitpunkt, um loszulegen?

Die perfekte Zeit zum Starten gibt es nicht. Mit klassischen Geburtsvorbereitungskursen beginnt man meistens um die 30. SSW herum. Das ist in der Regel genug Zeit, um die wichtigsten Infos zum Geburtsvorgang zu bekommen.

Anders sieht es bei Kursen wie Schwangerschaftsyoga, Schwangerschaftsgymnastik und Kursen mit Schwerpunkt auf mentalem Training (Geburtsvorbereitung mit Hypnose, Hypnobirthing, usw.) aus. Hier ist es absolut sinnvoll so früh, wie es in deinen Alltag passt, zu beginnen. Wenn es um mentale Geburtsvorbereitung geht bringt es dir einen Vorteil, wenn du viel Zeit für das Üben und Umsetzen der Techniken hast. Das gilt auch für Yoga und Schwangerengymnastik. Du profitierst schon früh vor der Geburt von den positiven Effekten.

7. Mit Partner oder solo?

Auch hier gilt: Es gibt kein besser oder schlechter. Es gibt Kurse, die als Partnerkurse geführt werden, Kurse im Kreise der Schwangeren und die Kombination aus Frauenkurs mit einem Partnerteil.

Horch in dich hinein. Was möchtest du als Schwangere? Was möchtet ihr als Paar?

8. Crashkurs oder ein fortlaufender Kurs?

Die liebe Zeit. Davon haben wir alle gefühlt zu wenig oder?

Ein Wochenend- oder Tageskurs bietet dir den Vorteil, dass du deine Zeit geblockt und komprimiert investierst. Vielen Paaren kommt das entgegen. Partner und Ehemänner sind mit ihrer Arbeit eingespannt und können sich einen Abend pro Woche über eine längeren Zeitraum oft schwer freihalten.

Das trifft auch auf das Organisieren eines Babysitters für ein Geschwisterkind zu. Der Vorteil eines fortlaufenden Kurses ist, dass sich die Dynamik innerhalb der Gruppe entwickeln kann und die Teilnehmer zusammengeschweißt werden. In Geburtsvorbereitungskursen entstehen schon mal Freundschaften, die über lange Zeit bestehen.

Wenn du dich mental (Hypnobirthing) auf die Geburt vorbereiten möchtest, ist es auch hier sinnvoll, einen Kurs zu buchen, der dich im Trainingsprozess begleitet.

 

Was bringt dir Geburtsvorbereitung?

Geburtsvorbereitung steigert deine “Selbstwirksamkeit” in Bezug auf die Geburtserfahrung deutlich. Selbstwirksamkeit steht für deine innere Überzeugung, die Geburt und einen guten Start ins Leben mit deinem Baby zu schaffen.

Durch das Wissen darüber, wie der Geburtsprozess optimal verläuft und welche Faktoren dafür wichtig sind, kannst du dich aktiv und informiert an Entscheidungen beteiligen. Frauen, die informierte Entscheidungen rund um Geburt treffen, gehen aus der Geburtserfahrung mit einer größeren Zufriedenheit und einem geringeren Risiko für eine Postpartale Depression und einem Geburtstrauma heraus.

 

Fazit

 

Von mir gibt es ein klares JA zur Geburtsvorbereitung. Ich empfehle dir, dass du dir Gedanken darüber machst, welche Kursart zu deinen Bedürfnissen und Wünschen passt. Und dann: Viel Spaß dabei und eine schöne Einstimmung und Vorbereitung auf deine Geburtsreise!

 

P.S.: Meine Klientin hat sich dafür entschieden einen Yoga-Kurs für Schwangere zu besuchen und mit ihrem Partnern zusammen einen Intensiv-Kurs für Paare zu machen.

 

Wie sind deine Erfahrungen mit Geburtsvorbereitungskursen?

Was hast dir gefallen? Was nicht?

Bist du noch auf der Suche nach der passenden Geburtsvorbereitung?

Fragen, Wünsche, Beschwerden? In den Kommentaren ist Platz dafür!

 

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Eine Wochenbettdepression erkennen: EPDS-Fragebogen

 

Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Tagen der Geburt ist ein normaler Anpassungsprozess. An die veränderte hormonelle Situation, an das neue Leben und die neue Rolle, in die man erst hineinwachsen muss.  Überhaupt – ist ja alles anders, als zuvor.

Da verwundert es nicht, wenn eine frischgebackene Mama hin- und hergerissen ist zwischen Verzweiflung und Traurigkeit auf der einen Seite und Glück und Freude auf der anderen Seite. Mehr als jede zweite Mutter geht nach der Geburt ihres Kindes durch die Baby-Blues-Tage.

 

Babyblues oder doch Wochenbettdepression?

Doch wo verläuft die Grenze zu einer Wochenbettdepression (Postpartale Depression PPD)? Wie lange dürfen die Heultage dauern? Wie erkennt man eine Wochenbettdepression?

Eine einfache Möglichkeit ist die “ EPDS – Edinburgh Postnatal Depression Scale”, ein Selbstbeurteilungsfragebogen den die Mutter ausfüllt. Anhand der erreichten Gesamtpunktezahl lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer PPD abschätzen. Wichtig: dieser Fragebogen ist kein Diagnose-Verfahren.

 

Bist du dir unsicher, ob du dich gerade auf dem Weg in eine PPD befindest oder schon mittendrin steckst?

Hast du das Gefühl, dass es deiner Freundin nach der Geburt nicht gut geht?

Oder bist du als Vater über den Gemütszustand deiner Frau/Partnerin im Wochenbett besorgt?

 

Die Edinburgh Postnatal Depression Scale EPDS

 

Hier steht der Fragebogen zum Download bereit.

Dieser kann zu jedem Zeitpunkt nach der Geburt ausgefüllt werden. Eine hohe Punktezahl in der ersten Woche nach der Geburt deutet auf einen Baby-Blues hin. Dieser kann in eine Wochenbettdepression übergehen.

Es empfiehlt sich den EPDS-Fragebogen auch 6-8 Wochen nach der Geburt, nach 12 Wochen und nach einem Jahr zu wiederholen. Generell sollen zwischen der Wiederholung zumindest 14 Tage liegen.

Der EPDS-Fragebogen wurde zwar für die Zeit nach der Geburt entwickelt, er wurde jedoch auch für die Schwangerschaft validiert und kann dementsprechend auch vor der Geburt verwendet werden.

Allgemein gesprochen ist die Edinburgh Postnatal Depression Scale EPDS ein sehr verlässliches und gut untersuchtes Screening-Tool.

 

Was ist der nächste Schritt?

Ab einem Wert von 13 Punkten deutet die aktuelle Gemütslage mit einer großen Wahrscheinlichkeit (60-100%) auf eine Wochenbettdepression hin.

Mögliche Ansprechpartner sind:

  • Hebammen
  • FrauenärztInnen
  • FachärztInnen für Psychiatrie
  • PsychologInnen
  • Psychosoziale Beratungsstellen in deiner Umgebung
  • Psychiatrische Ambulanzen
  • Initiativen zum Thema (Bsp.: Schatten & Licht e.V.)

 

Fazit

Eine Wochenbettdepression betrifft zwischen 15 und 20% aller Mütter nach der Geburt und tritt somit relativ gesehen häufig auf. Eine frühzeitige Erkennung einer PPD ist wichtig und nötig, damit betroffene Mütter die adäquate Unterstützung und Behandlung bekommen. Generell ist zu betonen, dass eine Postpartale Depression gut zu behandeln und die Heilungschancen sehr groß sind.

Wichtig ist das nahe Umfeld mit einzubeziehen. Teile dich deinem Partner und den Menschen in deiner unmittelbaren Umgebung mit!

 

Jetzt bist du dran!

Wenn du die Sorge hast, dass eine PPD Thema ist, dann füll‘ den Fragebogen aus.

Hast du Fragen zu diesem Befindlichkeitsfragebogen?

Möchtest du etwas zum Thema Postpartale Depression wissen?

Ich freue mich über jeden Kommentar.

 

Literatur

Bergant et al. „Deutschsprachige Fassung und Validierung der „Edingburgh Postnatal Depression Scale““, DWM 1998, 123 Jg., Nr. 3, S. 39.

Bund Deutscher Hebammen. (2007). Psychologie und Psychopathologie für Hebammen. Die Betreuung von Frauen mit psychischen Problemen. Stuttgart: Hippokrates.

Edinburgh Postnatal Depression Scale (JL Cox, JM Holden, R Sagovsky, 1987)

Rohde, A. (2004). Rund um die Geburt eines Kindes: Depressionen, Ängste und andere psychische Probleme. Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und ihr soziales Umfeld. Stuttgart: Kohlhammer.