Traumatische Geburt: Wie Verarbeitung gelingen kann

Völlig unabhängig davon, ob ein Kind zu früh auf die Welt gekommen ist, ob die Geburt ein Kaiserschnitt gewesen ist, ob es eine vaginale Geburt mit Komplikationen gewesen ist oder ob nach einer “schönen” Geburt im Anschluß Komplikationen aufgetreten sind – jede Geburtserfahrung kann potentiell eine belastende oder traumatische Erfahrung für Mutter und Kind sein.

Habe ich eine traumatische Geburt erlebt?

Immer wieder erzählen betroffene Mütter davon, dass sie sich gar nicht sicher sind, ob sie ihre Geburt als “schwierig”, “belastende” oder “traumatisch” bezeichnen können.

  • Wer bestimmt was eine traumatische Geburt ist?
  • Wie könnte man merken, dass die Geburtserfahrung doch nicht so leicht war?
  • Mit welchen Symptomen äußert sich ein traumatisches Geburtserlebnis?
  • Welche Emotionen und Gefühle sind oft damit verbunden?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, um damit abzuschließen und die Geburt zu verarbeiten?

 

Darüber und zu anderen Aspekten habe ich mich mit Stefan Rieth im Rahmen seines Podcasts “Dynamic Stillness” unterhalten.

Die Episode „Wie du mit einer schwierigen Geburt ins Reine kommst“ ist unter diesem Link auf iTunes zu finden und hier geht es direkt zum Beitrag auf Stefan’s Website.

wochenbett babyblues trennung nach der geburt

Wochenbett-Geschichte #2: „Darauf war ich nicht vorbereitet“

Schwierige oder belastende Erfahrungen beschränken sich nicht ausschließlich auf die eigentliche Geburt.

Zahlreiche Mütter kämpfen mit einer sehr herausfordernden Zeit im Wochenbett, wenn ihr neugeborenes Baby nicht bei ihnen sein kann und stattdessen auf der Neo-Intensiv sein muss.

Dabei kann es sein, dass das Geburtserlebnis gar nicht so dramatisch oder schlimm gewesen ist. Mütter nehmen für ihr Baby viel in Kauf. Wenn sie aber dann nach der Geburt von ihrem Kind getrennt sind, können diese Tage und (auch Wochen) zu einer wahren Zerreißprobe für die Nerven werden.

 

In diesem Artikel erzählt eine Mutter die Geschichte ihres Wochenbetts nach der Geburt ihrer Tochter. Nichts, aber auch gar nichts war so, wie sie es sich vorgestellt und gewünscht hatte:

Ängste und Sorgen um die Gesundheit ihres Babys.

Fehlende Muttergefühle zu Beginn und ein schwieriges Hineinwachsen in das neue Familienleben.

 

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Rund um die Geburt

Die Geburt verlief leider nicht wie geplant: Vorzeitiger Blasensprung zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin. In diesem Moment war ich sehr freudig aufgeregt, da ich geglaubt habe, dass es bis zur Geburt nicht mehr solange dauern würde. Da ich aber keine Wehen bekommen habe, musste eingeleitet werden.

Am Geburtstermin selber war es dann soweit. Nach vielen Stunden der Anstrengung wurde es plötzlich sehr unruhig im Kreißsaal. Es musste schnell gehen. Mein Mädchen hatte auf Grund der langen Wehentätigkeit körperliche Stresssymptome und es kam binnen Minuten zu einem für alle stressigen Notkaiserschnitt.

Meine Hanna wurde mir kurz gezeigt, ich durfte kurz ihre Hand berühren und dann wurde sie gleich auf die Intensivstation gebracht, da sich ihre Werte bessern mussten.

Nachdem ich nach stundenlangem Kreißsaal-Aufenthalt unter Beobachtung gestanden war, da ich aufgrund der PDA schlecht atmen konnte, kam ich dann endlich in mein Zimmer auf der Wochenbettstation.

 

Alleine.

Ohne mein Baby.

 

Ich war von den Mitteln, die ich bekommen habe, noch sehr müde und ich spürte meine Beine noch längere Zeit nicht, aber das ließ irgendwann doch nach. Ich fühlte mich wie nach einer „normalen“ Operation.

Es kam mir nicht vor, als hätte ich gerade ein Baby „bekommen“!

Die Schwestern bedauerten, dass die Geburt so schwierig und dramatisch verlaufen war, und dass ich mein Mädchen nicht bei mir haben konnte….

…..doch ich war eher irritiert, dass ich jetzt „Mama“ war und mein Kind vermissen SOLLTE!

 

Ich hab es aber nicht in dem Sinn.

Es fühlte sich alles sehr befremdend an.

 

Ich hatte mir eine normale Geburt so sehr gewünscht…….

…..diesen angeblich innigen Moment, wenn einem das Baby an die Brust gelegt wird.

 

Mein Mann hätte vorher die Nabelschnur durchtrennt und wir wären laut Berichten anderen „ab sofort eine glückliche kleine Familie gewesen“. All die Schmerzen wären in diesem Moment wie weggeblasen gewesen… in meinem Fall hatte ich all die Schmerzen im Nachhinein. Und das für längere Zeit.

 

Was mich in dieser Zeit sehr unterstütze, war, dass mein Mann den größten Teil des Tages an meiner Seite war!! Er war zwar selbst sehr mitgenommen von der lang andauernden Geburt und dem anschließenden Notkaiserschnitt. Im Kreißsaal selbst war er mir eine sehr große Stütze, einfach weil er da war und ich irgendwie das Gefühl hatte, die Schmerzen nicht alleine aushalten zu müssen.

Und auch später auf meinem Stationszimmer- er war von da an jeden einzelnen Tag bei mir !!!

 

Der erste Wochenbett-Tag

Am nächsten Tag gegen 6:00 Uhr bin ich von der Schwester zur Morgentoilette geweckt worden. Ich dachte es sei einen Scherz, als sie sagte, ich solle aufstehen und mit ihrer Hilfe ins Badezimmer gehen. Unter extremen Schmerzen ging ich mit ihr ins Bad. Ich war sehr froh, als ich wieder ins Bett durfte!

 

An mein Baby dachte ich in der ganzen Zeit kaum!

Es ist so erschreckend, das zu sagen!

 

Ich war so mit mir und meinem Körper beschäftigt..und irgendwie fühlte es sich an, als wäre ich nie schwanger gewesen, nur mein Körper zeigte Spuren:

Ein hässlicher Schnitt am Beginn der Schamgegend, über den ein sehr großer Bauch hing!!

 

Eine Schwester kam mit einem Gestell mit einer Milchpumpe darauf zu mir und sagte, ich solle alle 2 Stunden für 15 Minuten abpumpen, und vor dem Schlafengehen 1 Stunde lang 15 Minuten pumpen, 15 Minuten Pause machen, 15 Minuten pumpen, Pause…Es wurde mir kurz gezeigt wie die Pumpe funktionierte und dann pumpte ich ziemlich unwissend darauf los.

 

Von der Intensivstation bekam ich ein Foto von meinem Baby, welches auf meinem Tisch aufgestellt wurde. Ich sollte es immer wenn ich abpumpe anschauen, damit der Milcheinschuss passieren würde, da ich mein Baby ja nicht bei mir haben konnte um sie anzulegen.

Es war ein ganz eigenartiges Gefühl das Foto anzuschauen.

 

Einerseits konnte ich es nicht glauben, dass es MEIN Baby war, andererseits fühlte ich es aber nicht.

Das machte mir ziemlich Sorgen, da ich glaubte, ich sei die einzige, die so fühlte.

Ich erzählte es natürlich keinem, da ich mich schämte.

 

Gegen Mittag war es dann soweit: Ich hatte nach Schmerz- und Antibiotikainfusionen, Visite, Pflegeschwestern und Physiotherapie endlich ZEIT, meine Hanna zu besuchen. Da ich in ein anderes Gebäude musste, der Weg für mich aber noch zu anstrengend gewesen wäre, wurde ich mit dem Rollstuhl in die Intensivstation gebracht.

Ich hätte meine Hanna wahrscheinlich nicht von alleine erkannt, wenn mir nicht gezeigt worden wäre, in welchem Inkubator sie gelegen ist.

 

Total traurig das sagen zu müssen!

Mamas SPÜREN angeblich welches Kind zu ihnen gehört!

Ich nicht.

 

Als ich sie dann in der durchsichtigen Box liegen sah – überall verkabelt, eine Magensonde hing ihr aus dem Mund, war mir ganz anders. Ich versucht die Kabel nicht zu sehen, sondern einfach „nur sie“.

Sie war so hübsch!! Ich war in diesem Moment regelrecht stolz und froh, dass sie so ausschaute, wie sie ausschaute!!

Dann war ich neugierig, ob sie spüren würde, dass ich, ihre MAMA, jetzt ENDLICH bei ihr war!! Ich durfte in den Inkubator greifen und sie berühren!! In diesem Moment wurde ich ganz ruhig und hoffte, dass sie mich erkennen würde.

Ich bildete mir ein, dass sie wusste, dass ich ihre Mama bin…

Auf der Intensivstation waren alle Schwestern total einfühlsam und zuvorkommend, so herzlich! Es hat mich sehr berührt, wie sie von meinem Baby redeten, dass sie eine Temperamentvolle sei und dass sie die Magensonde nicht akzeptiere, da sie sie immer herauszog.

 

Ich war aber irritiert.

Andere wussten schon mehr von ihr als ich.

Ich war eifersüchtig und fühlte mich als „Besucher“ und nicht als Mama.

 

Andere sorgten sich um ihr Wohl, obwohl es meine Aufgabe wäre. Ich fühlte mich ehrlich gesagt schlecht.  Nach 2 Stunden war ich körperlich so überanstrengt und müde, dass ich wieder in mein Zimmer gebracht wurde.

Am Nachmittag kam mein Mann und wir „durften“ unser Baby gemeinsam besuchen. Diesmal freute ich mich schon mehr sie zu sehen, da ich die Angst nicht mehr hatte, wie sie ausschaut, wie es ihr geht, wie die Atmosphäre auf Intensivstation i…

 

Und vor allem wir gingen als ELTERN hin.

 

Es war berührend, wie wir gemeinsam in den Inkubator geschaut haben und unser Baby darin liegen sahen. Wir waren das erste Mal als Familie zusammen!! Meine Schmerzen verschwanden in den Hintergrund und wir durften sie sogar aus dem Inkubator herausnehmen. Ich war richtig nervös. Ich sollte meinen Oberkörper frei machen, damit ich mein Baby an meine Brust legen konnte. Das sollte die Bindung verstärken und herstellen.

 

Dieser Moment war wunderschön, da nur ICH ALLEIN ihre Mama war.

Kein anderer. Ich war in diesem Moment nicht zu ersetzen!!

Und dieser körperliche sehr nahe Körperkontakt war der schönste Moment seit der Geburt!!!

 

Wir durften sogar allererste gemeinsame Fotos als Familie machen und wir wurden als Familie von den Ärzten und Schwestern unter uns gelassen um uns kennenzulernen.

 

Es fühlte sich trotzdem eigenartig an, da das Gefühl des Mamaseins noch immer nicht da war.

 

Hanna hätte am vierten Tag nach der Geburt zu mir ins Zimmer verlegt werden sollen, da ihre Sauerstoffsättigung anscheinend stabil wurde. Doch die nächsten drei Tage wurde ich immer wieder vertröstet, dass sie mein Baby noch zur Beobachtung behalten müssten, da ihre Werte noch nicht stabil waren.

 

Ich wurde immer verzweifelter und ängstlicher, da ich befürchtete, dass mein Baby nicht gesund werden würde.

Ich war aber sehr hilflos und konnte als ihre Mama NICHT helfen!!

 

Dieses Bedürfnis ihr helfen zu wollen wuchs jeden Tag immer mehr. Ich war über diese Gefühle so froh, da dies in meinen Augen Gefühle einer Mama waren.

 

Am Ende der Woche wurde mir gesagt, ich würde jetzt endlich mit meinem Baby zusammen in ein Mutter-Kind-Zimmer kommen. Als ich bereits alles zusammengepackt hatte und umgezogen war, kam dann eine Schwester ins Zimmer und teilte mir mit, dass sie mich leider nicht entlassen können, da meine Entzündungswerte zu hoch waren.

Welche Entzündung???

Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt wohl und dachte erst, das konnte nicht sein. In diesem Moment brach ich in Tränen aus und schrie, dass das alles nicht wahr sein konnte und was ich wohl verbrochen hätte, dass ich so vom Pech verfolgt war! Es wurde mir gesagt, ich solle mich nicht aufregen, es gäbe Schlimmeres und anderen Müttern ginge es genauso.

 

Am gleichen Tag bekam ich Stunden später ziemlich schnell hohes Fieber und mir war somit klar, dass ich vernünftig sein sollte und mein Baby nicht besuchen sollte und ich sie somit den ganzen Tag nicht sehen konnte.

 

Ich war sehr verzweifelt und ich hatte dauernd das Gefühl, dass alle Schwestern glaubten, ich wäre nur auf Grund des Babyblues den Tränen so nahe. Ganz ausschließen kann ich es natürlich nicht, ich wusste zu dem Zeitpunkt einfach nur, dass ich sehr verzweifelt war und dass ich mir alles rund um die Geburt und die Tage danach viel schöner vorgestellt hatte und ich mich vom Pech verfolgt fühlte.

 

Am nächsten Tag bekam ich trotz Antibiotika wieder einen Fieberschub. Auch an diesem Tag durfte ich meine Hanna nicht besuchen. Nach dem Wochenende wurde der Grund meiner erhöhten Entzündungswerte endlich entdeckt: meine Kaiserschnittnarbe hatte sich entzündet. Als die Ärztin gesagt hatte, dass die Narbe gespreizt werden sollte, resignierte ich in diesem Moment. Ich hatte keine Kraft mehr.

 

Der Eingriff war etwas schmerzhaft, aber erträglich. Daraufhin musste ich mit einem weiteren Antibiotikum behandelt werden, welches mich veranlasste, meine mittlerweile reichlich fließende Muttermilch abzupumpen und zu verwerfen (gegen jegliche Meinung von einigen Ärzten und Schwestern.

 

Da ein einziger Arzt Zweifel an der Gabe von der „Antibiotika-Milch“ hatte, waren mein Mann und ich so verunsichert, dass wir entschieden, meine Muttermilch NICHT zu geben. Die Schwestern versuchten trotz meines/unseren Entschlusses mich vom Gegenteil zu überzeugen, dass alle anderen Mütter, die „mein“ Antibiotika verschrieben bekommen hatten, ihre Milch ihren Babys geben würden.

 

Ich fühlte mich nicht ernst genommen.

Ich war in allen Belangen sehr unsicher und das machte mich gefühlt regelrecht zu einem „Opfer“ von Ärzten und Krankenschwestern.

 

Da ich jetzt meine Muttermilch von nun an verworfen habe, fühlte ich mich gänzlich nutzlos.

Meinem Baby konnte ich ab jetzt NICHTS mehr von mir geben.

Keine Nähe, keine Nahrung.

 

Kaum ging es mir besser wurden meinem Mann und mir gesagt, dass unsere Hanna auf Grund ihrer ständigen Sauerstoffsättigungsabfälle eine gewisse Zeit monitorisiert werden müsste.

Auch zu  Hause.

Ich war mit den Nerven am Ende.

Ich sah vor dem geistigen Auge Hannas Gitterbett mit einem großen Monitor und vielen Kabeln. Ich fing wieder an zu weinen.

Wir wurden in das Elektrodenkleben eingeschult und mussten dann einen bedrückenden Reanimationskurs für Babys absolvieren. Es war furchtbar.

 

Alle meine Freude auf das Leben daheim mit unserem Mädchen wurde immer mehr von Angst überschattet.

 

Das Heimkommen

Nach zwei Wochen Aufenthalt war es dann soweit. Mein Mann holte uns im Krankenhaus ab und wir packten sie ins Maxi Cosi. Wir gingen mit ihr zum Auto.

Mein Mann und ich waren beide sehr irritiert und konnten es -trotz der bereits zwei vergangen Wochen- eigentlich noch immer nicht richtig glauben, dass wir jetzt ein Kind hatten.

Obwohl wir uns schon im Vorfeld mit der Anschnallen der Sitzschale beschäftigt hatten, waren wir plötzlich total verunsichert, ob wir wohl alles richtig machten.

 

Die Unsicherheiten zogen sich durch alle Bereiche: Wir gingen in unsere Wohnung und ALLES fühlte sich nicht mehr vertraut an!!

Völlige Verzweiflung machte sich in uns breit, da wir nicht wussten, was wir jetzt mit unserem Kind machen sollten.

 

Von diesen beängstigenden Gefühlen hatte uns nämlich KEINER unserer Freunde erzählt!!

Alle ließen uns im Glauben, es wäre das Schönste und Tollste auf der Welt mit seinem Baby als kleine Familie heimzukommen und alles würde im Großen und Ganzen so weiterlaufen wie bisher in unserem Leben. Das Baby würde am Anfang so ziemlich den ganzen Tag schlafen und wenn es munter werden würde, bräuchte man es nur stillen und danach würde es wieder einschlafen und alles andere im Alltag würde laufen wie eh und je.

 

Nicht bei uns.

 

Wir waren während der Autofahrt schon ziemlich gestresst, da es Sommer war und die Temperaturen dementsprechend heiß.

Hat sie zu heiß?

Blendet die Sonne?

Ist die Klimaanlage zu kalt für sie? …

 

Daheim ging es dann so wie gesagt weiter: Ist es zu heiß in der Wohnung? Ist sie richtig angezogen? Warum schwitzt sie? Wir waren sehr unentspannt und uns war nicht nach der erwarteten „Freude“ zumute. Wir wussten nicht, wo wir sie hinlegen sollten oder was wir jetzt überhaupt mit ihr tun sollten.

Aber es wurde uns gleich gesagt, was wir mit ihr tun sollten: sie fing an verzweifelt zu schreien…. Somit wechselten mein Mann und ich uns beim Tragen ab.

Körperlich ging es mir ziemlich schlecht. Ich merkte den hohen Stresspegel, mir war schwindlig, ich war sehr unruhig und sehr nervös.

In der allerersten Nacht daheim hatten wir gleich das erste stressige und ängstigende Erlebnis: Um 5.00 Uhr in der Früh ging der Alarm vom Monitor los!

Mit Herzrasen sprangen mein Mann und ich zeitgleich aus dem Bett und liefen zu unserem Baby hin- Mein Mann stupste sie etwas an, damit sie wieder weiter atmete, falls sie einen Atemaussetzer gehabt hätte. Da der Überwachungsmonitor sehr sensibel eingestellt war, registrierte der Monitor eine flachere Atmung als Atemaussetzer.

Somit war es ein „falscher Alarm“. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht und nie, ob es wirklich ein „echter“ oder „falscher“ Alarm war. Erst die Auswertung im  Schlaflabor würde uns erst nach langen drei Wochen darüber informieren, welche Art von Alarm es gewesen war.

 

Mit ziemlichem Herzklopfen lag ich dann wieder im Bett und mir war nur mehr zum Weinen.

Ich dachte, ich würde das alles nervlich die nächsten Wochen nicht durchstehen.

 

Am nächsten Tag am Nachmittag war unsere Hanna etwas müde und ich legte sie in ihre Stubenwiege ins Wohnzimmer. Sie schlief 3 (!) Stunden, während ich völlig nervös neben ihr saß und sie immer beobachtete, ob sie wohl atmete und ob sie bald munter werden würde.

 

Ich konnte mich auf gar nichts konzentrieren oder mich ablenken lassen. Als sie dann munter wurde, war ich dann doch sehr froh.

Anfänglich.

 

Sie machte die Augen auf und dann ging es los…sie fing an zu schreien und weinen… unaufhörlich!!  Sie ließ sich durch nichts mehr beruhigen!!

 

Gehen, stehen, reden, nicht reden, …nichts beruhigte sie!!

 

Bis auf wenige kurze Pausen schrie sie stundenlang so laut und unaufhaltsam, dass unsere Verzweiflung so unerträglich wurde, dass ich in Tränen ausbrach und mir nicht mehr zu helfen wusste. Wir konnten uns nicht erklären, weshalb sie sich durch nichts beruhigen lassen konnte…

 

Ich hatte so große Panik, Schweißausbrüche und keine Nerven mehr, dass uns nur mehr eins helfen konnte: das Krankenhaus.

 

Um 23.00 saßen wir in der Ambulanz in der Kinderklinik. Hanna war wie durch ein Wunder ruhig!

Nach einer gründlichen Untersuchung wurde die Diagnose: „Schreiattacke“ erstellt und ich wurde gefragt, ob ich gerne über Nacht mit unserer Hanna im Krankenhaus bleiben möchte. Den Grund dafür konnte ich mir zuerst nicht erklären. Es machte mir eher Angst, da ich glaubte, unser Baby hätte vielleicht doch etwas, warum sie die meiste Zeit schrie.

Mein Mann hingegen war froh über diese Frage, da er befürchtete, dass wir, wenn wir wieder heimfahren würden, in wenigen Stunden wieder mit dem gleichem Problem ins Krankenhaus kommen würden.

 

Ich war verzweifelt.

Ich war seit der Geburt durchgehend im Krankenhaus und nur für eine einzige Nacht daheim und nun sollte ich WIEDER ins Krankenhaus?!

Ich war irgendwie wütend auf meinen Mann, da ich dachte, es wäre DIE Gelegenheit für ihn, eine ruhigere Nacht zu haben!

Und ich nicht.

Ich fragte mich sogar, warum gerade ICH diejenige sein sollte, die bei Hanna im Krankenhaus bleiben sollte!!

 

Da ich ja eh noch nicht stillen konnte und Hanna das Flascherl bekam, wäre es vollkommen egal, wer von uns beiden bei ihr bleiben würde. Aber ich als ihre Mama  war in diesem Fall scheinbar doch die „Wichtigere“.

 

Ganz genau wusste ich aber nicht warum dies so war.

 

Ich könne auch nichts anderes machen, als all die anderen auch. Die Betreuung von unserem Baby hatten sowieso die Schwestern übernommen und ich wurde nur als Mama tituliert, aber Möglichkeiten für sie da zu sein und sie kennenzulernen hatte ich eigentlich kaum.

 

Ich ließ mich überreden, die Nacht stationär zu bleiben. Eigentlich war ich dann doch froh, da ich wusste, dass ich nicht alleine mit unserem Baby war und falls sie wieder so viel schreien sollte, hätte ich sehr viel Unterstützung.

Die Nacht war überraschenderweise ruhig. Ich war irritiert.

Hier im Krankenhaus war sie ruhiger als  zu Hause. Ich hingegen war alles andere als ruhig. Ich war so angespannt und wartete regelrecht darauf, dass sie wieder zum Schreien anfangen würde.

Und dann war es soweit…sie fing leise an zu wimmern und dies steigerte sich binnen Sekunden und endete in einem lauten Schreien.

 

Es dürfte der Hunger gewesen sein, aber in diesem Moment hatte ich nur einen Gedanken: VERZWEIFLUNG !!

 

Plötzlich spürte ich, wie ein Kribbeln von meine Beinen bis in meinen Kopf aufstieg und ich regelrecht starr wurde.

Das Schlimmste aber war, dass ich mein Baby nicht ansehen konnte!!!

Ich schaute bei der Balkontüre hinaus und ich fing bitterlich an zu weinen!!

 

Ich hatte JETZT schon keine Kraft und keine Nerven mehr, obwohl ich bis auf eine einzige Nacht daheim immer die Schwestern zur Unterstützung in meiner Nähe hatte.

Ich hatte in diesem Moment so eine erschreckend große Panik, dass ich mir nicht vorstellen habe könne, es JEMALS zu schaffen, ein Kind zu haben.

 

Aber sie war da. Mein Kind.

Ich fühlte es in diesem Moment aber nicht.

Dieses Gefühl machte mir schreckliche Angst. Ich fühlte mich in eine Sackgasse gedrängt aus der ich mein Leben lang niiie mehr herauskommen würde!!

 

Ich fühlte mich so unglaublich schlecht, dass ich solche Gedanken hatte, dass ich aus Sorge eine Krankenschwester gebeten hatte, mir einen Psychologen zu schicken. An dieser Abteilung traute ich mich sogar, diesen Wunsch auszusprechen. Dort fühlte ich mich verstanden.

Der Psychologe kam Stunden später und ich erzählte ihm unter Tränen, dass ich mich nicht als Mama fühlte, sondern nur als Milchspenderin. Und da ich meine Muttermilch zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht geben „durfte“, fühlte ich mich aus tiefstem Herzen überflüssig. Es könne sich jede andere Person um Hanna kümmern, vielleicht sogar besser…

Ich war zu diesem Zeitpunkt froh, es angesprochen zu haben. Ich fühlte mich etwas leichter, da ich dann wusste, dass ich nicht die einzige war, die solche Ängste und – was schlimmer war – Panik hatte…

 

Der Aufenthalt an der Mutter-Kind-Station war im Nachhinein betrachtet ein Gewinn. Regelmäßig kamen Schwestern zu mir und erkundigten sich wie es mir ging. Ich fühlte mich aufgehoben und verstanden. Ich bekam langsam das Gefühl, dass ich alles schaffen könnte, dass meine Ängste natürlich wären und dass das Mamasein erst wachsen müsse.

Hanna war im Großen und Ganzen ruhig, außer es kam der Hunger, da wurde sie sehr schnell sehr laut. Aber das machte mir dort nicht sehr viel aus, da ich immer im Hinterkopf hatte, dass ich nicht alleine war.

Ein Kinderarzt kam zur Visite und untersuchte Hanna. Zu meiner Beruhigung sagte er, sie sei ein ganz gesunder Säugling!! Ich war soo unendlich froh, dass er das sagte. Er fragte mich sogar, ob ich zu meiner Beruhigung (ich dürfte ziemlich überfordert gewirkt haben) noch eine Nacht bleiben möchte und ich sagte sogar Ja.

Ich hatte das Gefühl Hanna im geschützten Rahmen kennenlernen zu können- eigentlich war es DAS, was ich unmittelbar nach der Geburt auf der Gebärklinik erleben hätte sollen. Ich war sehr dankbar, dass dieser Vorschlag gemacht wurde.

 

Ich kuschelte sofern es Hanna zuließ mit ihr und durfte sie sogar baden. Ich bekam immer mehr Selbstvertrauen und ich ging am darauffolgenden Tag mit mehr Zuversicht nach Hause.

Am Tag der Entlassung waren wir beide entspannter als bei der Entlassung von der Gebärklinik. Wir hofften, dass es diesmal besser funktionieren würde.

Was wir aber für diesen Tag organisierten, war, dass die Mama meines Mannes zur Unterstützung zu uns nach Hause kam. Und wie gut, dass wir es so geplant hatten.

 

Die nächsten Tage und Nächte waren echt sehr schlimm.

Eigentlich war es die nächsten Wochen so.

Wenn Hanna nicht schlief, dauerte es nicht lange und sie weinte und weinte und weinte…

Sogar beim Einschlafen weinte sie mit geschlossenen Augen noch weiter.

Auch das Stillen verlief nicht ruhig.

 

Schon die letzten Sekunden  bevor sie aufhörte zu trinken, wurde sie sehr nervös und fing noch an der Brust zu weinen an. Auch in der Nacht. Aus diesem Grund verließ ich das Schlafzimmer und stillte sie im Wohnzimmer, damit mein Mann wenigstens schlafen konnte.

 

Auch nach dem nächtlichen Stillen war sie so aufgebracht, dass ich eine gefühlte Ewigkeit mit ihr herumgehen musste, weil sie sich nicht mehr beruhigen konnte.

 

Ich dachte ich würde dies alles nicht lange durchstehen.

Wir standen unter Strom und die Stimmung war sehr bedrückend. Ich fragte mich immer nur, wie es anderen ergangen war.

 

Langsam kamen Besucheranfragen aus dem Freundeskreis. Mein Mann und ich konnten die Besuche nicht abschlagen, aber wohl hatten wir uns auch nicht gefühlt.

 

Das Schlimme war, dass wir das Gefühl hatten, wenn wir unsere Situation erzählten und unsere Gefühle preisgaben, wir als hysterisch abgestempelt wurden, da ja jedes Kind schreit und wenn wir ruhiger wären, würde sich die Ruhe auf unser Baby übertrage und alles wäre gut.

 

Bis auf die Schwester meines Mannes und meine Schwester konnte uns KEINER verstehen.

Wir hatten das Gefühl, als Eltern unfähig zu sein.

 

In all dieser Zeit fühlte ich mich in meiner Haut körperlich überhaupt nicht wohl. Der Wochenfluss war noch da und zum Duschen und Haarewaschen kam ich immer erst, wenn mein Mann daheim war bzw. er auf Hanna aufgepasst hatte.

Ich hatte aber immer den innerlich Drang mich zu beeilen, da ich meinen Mann (der Urlaub war mittlerweile vorbei) so schnell als möglich wieder ablösen wollte, damit auch er sich erholen konnte.

Essen kochen ging nur, wenn mein Mann sie am Arm hielt und sie – schlief. Erst da konnte ich mich aufs Kochen konzentrieren und etwas kochen. Leider kamen wir lange Zeit erst spät nachts (ab 22.00 Uhr) zum Essen, da Hanna es einfach nicht zuließ früher zu essen.

 

Es war für uns zugegebenermaßen sehr schlimm, dass wir unsere gewohnten Tagesabläufe nicht mehr leben konnten.

Wir versuchten sie anfangs weiterhin zu erhalten, aber es war unmöglich.

Ich persönlich hatte sehr damit zu kämpfen, den Tag nach unserer Hanna zu richten.

Ich hatte das Gefühl kein eigenes Leben mehr zu haben und alles was mir bisher Freude machte, konnte ich nicht mehr machen und wenn , dann nur unter Stress…und es machte mir somit keine Freude mehr.

 

Ich hatte Angst, unser Leben würde so weitergehen und Freunde sagten uns nur, dass es nie mehr so sein würde, wie es mal war. Diese Erkenntnis hatten wir bereits.

Seltsam war aber, dass – je mehr Zeit verging- die Freunde, die bereits ein Kind hatten, uns dann DOCH von ihren anfänglichen Problemen erzählten!!

Da gab es „plötzlich“ die Erzählungen von Monitoren zur Überwachung, von Ängsten über den Gesundheitszustand der Kinder, von „wir versuchten so weiterzuleben wie bisher, aber doch erfolglos…“

 

Langsam erholte sich mein Körper wieder. Grundsätzlich fühlte ich mich wohler, doch unsere Hanna war trotzdem noch sehr unruhig.

 

Meine Nerven waren ziemlich am Limit.

Ich weinte jeden Tag, war sehr verzweifelt, da ich das Schreien nicht mehr ertragen konnte.

Was mir große Sorgen machte, waren meine Gefühle.

Ich funktionierte zwar irgendwie, aber ich war stetig traurig und zeitweise innerlich aggressiv und ich hatte das Gefühl, keine „richtige“ Bindung zu Hanna zu haben.

 

Da ich seit ich 20 Jahre bin phasenweisen unter Panikattacken mit begleitender Depression leide, hatte ich extreme Angst, mich wieder in solcher Phase zu befinden. Ich konnte mich selber nicht einschätzen!

Aber was zu meinen emotionalen Gefühlszustand hinzu kam, war, dass aus unerklärlichen Gründen, unser Baby zu wenig wog, obwohl ich sie alle 2 Stunden stillte. Nach 3 ½ Monaten mussten wir zufüttern, was mich zutiefst kränkte, da ich scheinbar nicht „fähig“ war, mein Baby zu ernähren.

Ich wollte um alles auf der Welt mindestens 6 Monate ausschließlich stillen, da „Stillen das beste für das Kind ist“.

Ich versuchte ALLES, um den Milchfluss zu steigern (Stilltee, Besuche bei der Stillberatung, Recherchen), doch ausschließlich Stillen ging nicht mehr. Ich pumpte morgens und abends mühsam ab, konnte sogar anfänglich 2 Fläschchen Muttermilch geben, doch es wurde kontinuierlich weniger, bis ich nach 6 Monaten aufgab und ihr nur mehr mit Säuglingsnahrung gab.

Die Sorge, dass Hanna zu wenig Gewicht hatte, setzte uns ziemlich zu und wir waren dann froh, dass es dann doch bergauf ging.

Das Schreien allerdings beruhigte sich kaum.

Ich traute mich dann doch trotz des Schreiens unter die Leute: Ich ging zur Elternberatung, um das Gewicht von unserer Hanna wöchentlich zu kontrollieren.

Ich dürfte nicht entspannt gewirkt haben, da mich eine Ergotherapeutin auf mein Befinden ansprach. Ich brach vor allen in Tränen aus und schilderte meine Situation.  Ab diesem Moment machte ich für einige Sitzungen mit Hanna eine Ergotherapie. Ich kann es nicht sagen, inwiefern es geholfen hat, es weiß nur, dass ich mich verstanden gefühlt hatte und ich mich unterstützt fühlte.

 

Dann kam der Wunsch auf, das Geburtserlebnis und das Drumherum aufzuarbeiten. Auf Empfehlung hin, machte ich einen Termin aus. Ich konnte schon nach drei Einheiten eine insgesamte Erleichterung spüren.

Ich spürte die Veränderung, in dem ich mich wohler und ausgeglichener fühlte und spürte Tatendrang.…

……und was das Erstaunlichste war: unsere Hanna war viel RUHIGER !!!

 

Zuerst traute ich dem Frieden nicht, aber es war so… Hanna war viel entspannter, ich auch, und auch mein Mann …. und es begann von Tag zu Tag ruhiger , strukturierter und schöner zu werden!!!

Ich konnte es kaum glauben, aber die Geburtsverarbeitung dürfte gewirkt haben…

Mittlerweile ist Hanna 10 Monate alt und sie ist ein ausgesprochen fröhliches, gutmütiges und witziges Mädchen – sie ist unser Sonnenschein!!

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Danke für diese Wochenbettgeschichte!

Habt ihr auch eine Wochenbett-Geschichte, die ihr gerne erzählen möchtet? Dann schickt mir einfach eine Nachricht!

Ungeplanter Kaiserschnitt: Wie Therapie dabei helfen kann, die Geburtserfahrung zu verarbeiten

Ich freue mich, dass ich in diesem Beitrag Andrea von Motherbirthblog bei mir zu Gast habe. Im Rahmen dieses Interviews berichtet sie darüber, wie sie unter anderem mit der Hilfe einer Psychotherapeutin und der Traumatherapie-Methode EMDR ihre erste Geburt (ein ungeplanter Kaiserschnitt) verarbeiten konnte.

EMDR basiert wie Eye Movement Integration EMI  und Brainspotting auf der Wirkung, die Augenbewegungen auf die Verarbeitung belastender Erinnerungen und Themen hat.

Die Erfahrungen, die Andrea bei der traumatischen Geburt ihres ersten Kindes gemacht hat, gab den Impuls für ihren Blog. Andreas‘ Wunsch ist, dass das Thema “Schwierige Geburtserfahrungen” mehr Beachtung findet und dass wir weitere Schritte in Richtung einer positiven Geburtskultur setzen.

 

Wie betrifft dich das Thema Geburtstrauma? Magst du uns ein bisschen dazu berichten?

Die Geburt meines ersten Kindes war für mich eine sehr traumatische Erfahrung, die mich lange belastet hat. Ich habe Gewalt und Bevormundung erleben müssen. Dinge, die ich mir vorher niemals habe ausmalen mögen.

Hätte mir damals jemand erzählt, dass einem im Kreißsaal so etwas passieren kann, ich hätte ihn vermutlich für verrückt erklärt. Reine Fantasie. Frauen erleiden physische und psychische Gewalt unter der Geburt? In Deutschland? Niemals! Ich wurde eines besseren belehrt. Musste es am eigenen Leib erfahren. Ich wurde beschimpft, gedemütigt und massiv unter Druck gesetzt.

Auch körperliche Gewalt gab es. Unter anderem wurde ich am Gebärbett fixiert, als mir brutal der Muttermund “aufmassiert” wurde. Dass man diese Vorgehensweise tatsächlich Massage nennt, finde ich grotesk, nachdem ich weiß, wie es sich anfühlt. Ich habe mich missbraucht gefühlt in dem Moment. Erniedrigt. Als ich vor Schmerzen schrie, wurde mir der Mund zugehalten und ich wurde zurechtgewiesen.

Mein Mann konnte mir nicht helfen. Er wurde zum Kaffeeholen weggeschickt – wohlweislich wie mir heute bewusst ist.

Der Kaiserschnitt mit Narkosevorfall, die Trennung von meinem Sohn, der auf die Kinderintensivstation kam und der vom Krankenhaus her sehr erschwerte Stillstart haben ihr übriges getan, dass ich diese Geburt als ein sehr belastendes Erlebnis empfunden habe.

Pures Glück? Fehlanzeige.
Was mir bis heute fehlt: das Bonding.

 

Welche Emotionen und Gefühle standen nach dem ungeplanten Kaiserschnitt im Vordergrund?

Ich war verunsichert. Mein Selbstwertgefühl – nicht mehr vorhanden. Ich habe gezweifelt – an mir. Wie kann ich eine gute Mutter sein, wenn ich schon bei der Geburt derart gescheitert bin? Was habe ich falsch gemacht, dass ich so behandelt wurde? Ich habe die Schuld bei mir gesucht – wie so viele andere Frauen auch – und bin nicht auf die Idee gekommen, dass ich das Opfer sein könnte.

Angst war das dominierende Gefühl. Vielleicht sogar das einzige, das ich noch wahrnehmen konnte. Das Einzige, was ich noch fühlte. Ich hatte immer Angst etwas falsch zu machen. Wieder. Schon wieder. Es hat mich gelähmt. In allem was ich tat.

Diese tiefgreifende Verunsicherung, die so unglaublich bohrend an meinem Selbstwertgefühl kratzte, machte mir ein normales Leben – wie ich es zuvor hatte – so gut wie unmöglich.

Auch mein Körper war mir irgendwie fremd geworden. Er schien nicht mehr zu mir zu gehören. Oder wollte ich das einfach nur nicht mehr? Er hatte nicht funktioniert. Ich gab ihm Mitschuld an dem, was mir passiert ist. Aber da war noch ein Gefühl: mein Körper widerte mich an. Berührungen waren mir zuwider. Ich ertrug keine Nähe – weder emotionale noch körperliche.

Mir fehlten die Worte, für das, was ich fühlte. Für das, was mir passiert war. Unaussprechlich. Niemand verstand, was wirklich mit mir los war. Ich war nicht mehr ich selbst.

Ich war in meinen Grundfesten zerstört. Wusste weder ein noch aus. Verzweifelt und so unglaublich allein. Einsamkeit und Hilflosigkeit bestimmten meinen Alltag. Ich habe nur noch funktioniert. Genießen konnte ich die Zeit mit meinem Baby nicht.

Das ist so schlimm. Auch jetzt noch. Es tut mir weh, wenn ich das hier schreibe. Mir wurde etwas genommen und niemand kann die Zeit zurückdrehen und es mir zurückgeben.
Im Nachhinein weiß ich: Ich war schwer traumatisiert.

Wie schnell hast du bemerkt, dass „etwas nicht in Ordnung ist“ und in welcher Form hast du dir „Erste Hilfe“ geholt?

Ich habe relativ schnell und klar geäußert, dass ich wohl psychologische Hilfe benötige. Keiner in meinem Umfeld, in meiner Familie, wollte das wahr haben. Wollte darüber sprechen. Wollte meinen Gesprächen zuhören, in denen sich die Gedanken kreisten und doch nie zu einem Ergebnis kamen.
Alle wollten einen Abschluss.

Ich konnte nicht. Also sollte ich schweigen. Auch ein Abschluss. Für die anderen war damit das Thema erledigt. Für mich noch lange nicht. Jetzt kreisten die Gedanken in meinen Kopf. Für die anderen nicht mehr hörbar – für mich umso lauter. Eindringlicher. Unaushaltbar.

Vielleicht passte ich mit meinen „Problemen“ auch einfach nicht in das gesellschaftlich verbreitet Bild, von einer Mutter, die fast automatisch debil lächelnd in ihrer Glückseligkeit aufgeht, sobald sie ein gesundes Kind in den Armen hält.

War ich zu anspruchsvoll? Habe ich zu viel von der Geburt erwartet, zu viel von den Ärzten und Hebammen verlangt? Darf ich mich überhaupt beschweren? Habe ich ein Recht dazu? Viele Fragen gingen mir damals durch den Kopf.

Ich habe natürlich auch mit meiner Nachsorgehebamme gesprochen. Sie war sehr einfühlsam und hat zugehört. Ihr Vorschlag das Bonding mit Hilfe eines Babyheilbades „nachzuholen“ hat mir und meinem Sohn auch noch 6 Wochen nach der Geburt einen Neustart ermöglicht.

Wir haben mehr zueinander gefunden. Es tat so gut, aber gleichzeitig war mir bewusst, dass das nicht reichte. Die seelischen Narben waren zu tief. Es war so viel kaputt gegangen. Ich saß immer noch auf meinem Scherbenhaufen – er war jetzt zwar zusammengekehrt, aber mehr auch nicht.

 

An welchem Punkt wurde dir klar, dass du Begleitung von außen durch eine Therapie brauchst?

Ich habe – auf Empfehlung meiner damaligen Hebamme – insbesondere zum Thema Kaiserschnitt viele Bücher gelesen. Suchte dort Antworten auf all die Fragen, auf all die Trauer in mir. Es half bis zu einem gewissen Punkt, aber da war noch so viel mehr. So viel mehr, an das ich mich nicht allein heran traute. Ich hatte Angst damit die Büchse der Pandora zu öffnen und nicht zu wissen, wie ich mit all meinen Gefühlen umgehen sollte. Ich hatte Angst davor übermannt zu werden.

Ich brauchte Begleitung für diesen Schritt. Ich wollte mich meinen eigenen Gefühlen nicht allein stellen müssen. Ich wollte aufgefangen werden. An die Hand genommen und wahrgenommen werden.

 

Einen Platz für Psychotherapie zu finden ist ja wirklich oft schwierig. Wie ist es dir gelungen bzw. wie war dein Weg dorthin?

Das ist tatsächlich so wie ein Sechser im Lotto. Ich hatte Glück. Unfassbares Glück. Etwa ein halbes Jahr nach der traumatischen Geburt meines Sohnes habe ich mich meinem Schmerztherapeuten anvertraut. Ein herzensguter Mensch, der einer der wenigen Ärzte ist, die ich kenne, der noch Zeit für Gespräche hat. Er hat mir zugehört. Nachgefragt. Verständnis gehabt. Ich habe mich zum ersten Mal ernst genommen gefühlt. Wirklich verstanden.

Er riet mir, mich an eine Kollegin von ihm zu wenden, die mit EMDR arbeitet und ihr unbedingt ausrichten, er hätte mich geschickt. Also habe ich noch am gleichen Abend zum Telefon gegriffen und angerufen. Die Ansage auf dem Anrufbeantworter ernüchterte mich etwas: Auf unabsehbare Zeit nehme ich keine neuen Patienten mehr an. Falls Sie nicht schon bei mir in Behandlung sind, kann ich leider nichts für Sie tun.

WTF!!! dachte ich und habe trotzdem auf den Anrufbeantworter gesprochen. Ihr erzählt, wer sie empfohlen hat, dass ich warten kann und ich unbedingt die Chance bekommen möchte, eine EMDR-Therapie zu machen.

Ich war offensichtlich hartnäckig genug. Nach einer Wartezeit von weiteren 6 Monaten konnte ich erst einmal die Termine nutzen, die spontan von anderen Patienten abgesagt wurden. Noch nichts regelmäßiges, aber ein Anfang. Meinen „festen“ Termin hatte dann nach einem weiteren Jahr. Ich habe lange für diese Therapie kämpfen müssen… Einfach war es mit Sicherheit nicht.

 

Ein Teil deines Therapieprozesses war ja die Anwendung von EMDR. Einer sehr gut erforschten und sehr wirksamen Traumatherapietechnik. Wie läuft das ab und wie war das für dich?

EMDR steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, was so viel bedeutet wie: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung. Hört sich erst einmal sehr hochgestochen und wahnsinnig kompliziert an. Eigentlich ist es aber eine simple und sehr effektive Methode dafür, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Denn jeder Mensch verfügt über eine natürliche Fähigkeit zur Informationsverarbeitung, mit Hilfe derer er belastende Erfahrungen verarbeiten kann. Meine Therapeutin hat mir quasi geholfen, mir selbst zu helfen.

Bevor es zur EMDR-Behandlung kam, hatte ich lange und ausführliche Gespräche mit meiner Therapeuten. Habe viel geweint, viel geredet und verstanden, was genau mein Trauma ausmacht.

Die eigentliche EMDR-Therapie erfolgte immer nach dem gleichen Muster: Ich musste mich gedanklich und emotional in die traumatische Situation hineinbegeben und auf einer Skala von 1-10 bewerten, wie belastend ich die Situation empfinde. Dann sollte ich mit den Augen einem Lichtpunkt folgen, der sich schnell von links nach rechts bewegt – vergleichbar mit dem REM-Schlaf.

Diese Stimulation regte mein Gehirn an damit meine eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert und die belastenden Erinnerungen verarbeitet werden können. Meist gab es mehrere kurze Sequenzen mit den Augenbewegungen. Meine Therapeutin hat mich zurückhaltend und achtsam durch meine Erinnerungen und vor allem meine dazugehörigen Emotionen geleitet.

Einige Sitzungen empfand ich emotional als sehr belastend, weil vieles hochkam, von dem ich gar nichts mehr wusste… Andere haben mich endlich klarer sehen lassen. Ich habe wirklich verstanden, woher bestimmte Ängste und Emotionen rührten.

Nach der Behandlung musste ich wieder auf einer Skala von 1-10 angeben, wie belastend ich die Situation jetzt empfinde. Es war immer so, dass die gefühlte emotionale Belastung stark gesunken war. Und das schon nach wenigen Minuten. Ich kann es bis heute eigentlich nicht glauben. Und das hat nicht die Therapeutin geschafft, sondern ich. Mein Kopf. Mein Gehirn. Für mich ein Wunder. Immer noch.

Verschweigen möchte ich an dieser Stelle aber nicht, dass der Kopf auch an den folgenden Tagen weiter „prozessiert“ – wie meine Therapeutin es nannte -. Sie war in der Zeit rund um die Uhr für mich erreichbar. Das gab mir immer ein gutes Gefühl, auch wenn diese Tage „danach“ immer sehr anstrengend für mich und mein Umfeld waren. Ich war noch nicht wieder im Gleichgewicht.

Als Fazit kann ich sagen: für mich die absolut richtige Therapie. Dass ich mir quasi selbst helfen konnte, hat mir gut getan. Mir wieder Selbstvertrauen gegeben. Zudem ist es erstaunlich wie einfach, schnell und effektiv diese Methode wirkt. Der einzige negative Punkt ist für mich, dass ich die Therapie mitunter als extrem anstrengend empfunden habe.

 

Du hast nach deiner traumatischen Geburtserfahrung noch weitere Geburten erleben dürfen. Inwieweit hat deine Vorgeschichte deine Geburtsvorbereitung und Geburtsplanung beeinflusst?

Ich wusste dadurch, dass ich nie wieder so blauäugig, uninformiert und unvorbereitet in eine Geburt hineinstolpern will, wie beim ersten Mal. Dann habe ich im Radio von Hypnobirthing  gehört und wusste sofort: das ist es! Genau so möchte ich mich auf eine weitere Geburt vorbereiten.

Aus meiner Erfahrung reicht es nämlich nicht, sich nur um das richtige Design des Kinderwagens oder um niedliche Babykleidung zu kümmern und die Verantwortung für die Geburt komplett in andere Hände zu legen. Eine intensive mentale Geburtsvorbereitung war für mich der Schlüssel für eine gute Geburtserfahrung.

Ich habe begriffen, dass ich nicht entbunden werden muss, um ein Kind zu bekommen, sondern gebären darf. Dass ich die Verantwortung trage und nicht die Ärzte oder Hebammen. Das ich loslassen darf und trotzdem gleichzeitig die Bestimmerin bin. Dass es meine Geburt ist.

Eine Geburtsplanung hatte ich tatsächlich nicht. Bei meiner VBAC (Vaginal Birth after Cesarean) war mein einziger Wunsch: Bloß nicht so wie letztes Mal!!! Bei der Geburt meines dritten Kindes im letzten Jahr, hatte ich eine Geburts-Vision – keinen Plan. Ich habe mir nichts konkretes vorgenommen und nichts ausgeschlossen.

Ich habe mich darauf konzentriert, wie ich mich bei der Geburt fühlen möchte. Weil es das Gefühl ist, was am Ende in Erinnerung bleibt – nicht der Ort, nicht die Geburtsposition, nicht die perfekte Musik. Ich weiß jetzt für mich, worauf es mir ankommt und das gibt mir eine innere Zufriedenheit.

Danke für das Interview, liebe Andrea!

 

So, wie in Andrea’s Situation, kann es sein, dass eine Mutter, die negativen Erfahrungen, die sie bei einer Geburt gemacht hat nicht vollständig mit den Möglichkeiten aus dem Bereich der Selbsthilfe aufarbeiten kann. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich Hilfe von außen durch eine Therapie zu holen. Leider ist hier jedoch oft ein langer Atem notwendig, um überhaupt einen Therapieplatz zu bekommen und dann idealerweise bei einem(r) TherapeutIn, die sich auf Schwangerschaft und Geburt spezialisiert hat.

 

Hilfreiche Links zur PsychotherapeutInnen-Suche und EMDR

Deutschland
Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung
Pro Psychotherapie e.V.
Psychotherapie Informationsdienst
EMDRIA Deutschland e.V.

Österreich
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Psychnet Online-Informationssystem für psychologische Dienstleistungen
Psyonline.at
EMDR Netzwerk Österreich

Schweiz
APS Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
FSP Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen
EMDR Schweiz

 

Wie sind eure Erfahrungen mit Therapie im Zusammenhang mit einer schwierigen Geburt? Schreibt mir einen Kommentar!

Affirmationen Schwangerschaft Geburt

Geburtsaffirmationen: Wie starke Worte und Sätze unterstützen können

 

Vielen der Schwangeren, die zu mir in die Geburtsvorbereitung kommen geht es darum, dass sie Werkzeuge und Möglichkeiten an die Hand bekommen, um beispielsweise

  • ganz fokussiert und bei sich zu sein
  • sich zu entspannen und loszulassen
  • sich positiv auf die Geburt einzustimmen
  • ohne Angst bzw. mit weniger Angst während der Schwangeschaft und Geburt zu sein
  • mit den Kontraktionen und den intensiven Körperempfindungen umzugehen
  • offen zu sein dafür, wie die Geburt verläuft und sich die Dinge entwickeln

 

Es gibt dafür wunderbare Techniken und Methode, wie Hypnose und die Arbeit mit inneren Bildern, Visualisierungen, Atemtechniken, Ankertechniken mit denen man quasi auf Knopfdruck gute Zustände und Entspannung abrufen kann.

 

Affirmationen für Schwangerschaft und Geburt

Eine weitere, feine Sache ist die Arbeit mit Affirmationen.

Affirmationen sind einfache, klare und positiv formulierte Sätze oder auch einzelne Wörter. Laut oder leise wiederholt ausgesprochen oder einfach gedacht, dienen sie dazu, dass das Unbewusste mit neuen und positiven Informationen versorgt wird und bildlich gesprochen ein neues Programm auf der „Festplatte“ speicherst.

Bei der Formulierung von Affirmationen gilt es darauf zu achten, dass diese

  • positiv und
  • ohne Verneinungen sind
  • Aussagen und keine Fragen
  • in der Gegenwartsform sind

Eine Beispiel-Affirmation wäre: „Ich freue mich auf die Geburt meines Babys“.

 

Anwendung von Schwangerschafts- und Geburtsaffirmationen

Diese starken und positiven Sätze kann man sehr vielfältig einsetzen. Wie wäre es damit, sich die Affirmationen auszudrucken oder anders kreativ auszugestalten? Um sie dann anschließend in den eigenen vier Wänden an verschiedenen Stellen zu platzieren. Vielleicht an der Kühlschranktür, am Nachtkästchen, Badezimmerspiegel oder an der WC-Tür? Einfach da, wo ihr öfter im Laufe des Tages vorbeikommt und die Aufmerksamkeit für einen Moment auf die Affirmationen lenken könnt.

 

Ihr könnt euch auch ein kleines Ritual gestalten, in dem ihr euch einen gemütlich Platz einrichtet und diesen mit den Affirmationen und anderen hübschen Dingen dekoriert, um sich dann jeden Tage ganz bewusst für einige Zeit auf die Geburt einzustimmen und in Kontakt mit eurem Baby zu gehen.

 

Ihr könnt euch die Affirmationen auch auf euer Smartphone sprechen und diese Aufnahme dann immer wieder anhören. Während der Schwangeschaft und auch während der Geburt.

 

Wenn ihr mit den Affirmationen arbeitet, so könnt ihr auch darauf achten, ob ganz spontan innere Bilder dazu entstehen. In diese kann man dann mit der Vorstellungskraft ganz hineingehen und sich darauf einlassen, wie das Bild genau aussieht, welche Klänge, Geräusche, Düfte und Gefühle dabei sind.

 

Und natürlich könnt ihr die Affirmation zur Geburt mitnehmen. Vielleicht sogar in physischer Form. Entweder als Ausdruck, Karte oder in einem Bilderrahmen.

 

Wenn euer Geburtspartner sich das vorstellen kann, so ist die Affirmation auch für ihn eine Möglichkeit, um euch während der Geburt zu unterstützen. Ganz einfach, in dem er euch immer wieder an sie erinnert oder sie euch vorsagt und ins Ohr flüstert.

 

Hier gibt es Affirmationen zum Herunterladen, die ich in eine hübsche Form gebracht habe und ausgedruckt werden können: Geburtsaffirmationen

 

Nun bin ich neugierig:

Kennt ihr die Arbeit mit Affirmationen während der Schwangerschaft und der Geburt?

Wie geht es bzw. ging‘ es euch damit?

Teilt doch eure liebsten Affirmationen mit uns in den Kommentaren! Meine LeserInnen freuen sich darüber.

 

Kinderwunsch Hypnose

Unerfüllter Kinderwunsch: Dem Storch mit Hypnose auf die Sprünge helfen

Ein Kind zu bekommen und überhaupt schwanger zu werden ist für zahlreiche Frauen und ihre PartnerInnen keine Selbstverständlichkeit.

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann eine sehr große Belastung sein. Oftmals machen sich betroffene Frauen auf die Suche, um ihre Fruchtbarkeit zu unterstützen und die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis zu erhöhen. Zu den vielfältigen Möglichkeiten zählen unter anderem spezielle Kinderwunsch-Teemischungen, Fruchtbarkeitsmassagen, Homöopathie, Akupunktur und vieles mehr.

Hypnose zur Unterstützung bei einem Kinderwunsch

Eine weitere Möglichkeit, die immer beliebter wird, ist die medizinische Hypnose. Der Blog “Wunderwinzling” hat mich zum Thema Hypnose und Kinderwunsch zum Interview gebeten und mich gefragt, wie die beiden zusammen passen und was man sich darunter so vorstellen kann. Hier geht es zum Artikel “So kann Hypnose dir bei unerfülltem Kinderwunsch helfen”

Wochenbett Geburt Stillen

Wochenbett-Geschichte #1: „Und so soll mein Leben in Zukunft ausschauen?“

„Und so soll meine Leben in Zukunft ausschauen?“ – Diesen Gedanken im Wochenbett zu haben ist gar nicht ungewöhnlich. In Mitten von Hormonen, Tränen, Schlafmangel und schreiendem Baby kann sich ein Moment wie eine Ewigkeit anfühlen.

Geburtsgeschichten werden viele erzählt. Geschichten über das Wochenbett nicht so sehr.

Diese Reihe der Wochenbett-Geschichten soll das ändern. Auch wenn die Geburt und die Vorbereitung darauf in der Schwangerschaft oftmals im Vordergrund steht, verdient auch das Wochenbett Aufmerksamkeit.

Den Auftakt macht die Wochenbett-Geschichte einer jungen Mama, die auf eigenen Wunsch hin gerne anonym bleiben möchte.

Eine Besonderheit ihrer Wochenbett-Geschichte ist die Tatsache, dass sie von Beginn an alleinerziehend ist und vom Vater ihres Babys getrennt ist.

 

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Da mein Baby 2 Wochen nicht mehr gewachsen ist, wurde ich ins Krankenhaus  geschickt und die Geburt wurde eingeleitet. 3 Tage wurde mir ein Gel vaginal gelegt und das 3 mal am Tag. Ich hatte Schmerzen und es schlug mir sehr auf die Psyche. Den 4. Tag bekam ich einen Wehencocktail. Nun bekam ich endlich Wehen und nach 14 1/2 Stunden war mein Baby da. Die Einleitung war der Horror, aber die Geburt an sich wunderschön.

Meine Mutter war bei der Geburt dabei, da ich nicht alleine sein wollte. Mein Freund hat mich kurz vor der Geburt verlassen. Ich hatte viele Sorgen und Ängste, die mir das Leben vor und nach der Schwangerschaft nicht einfach machten.

So – nun war er da mein Sohn und ich betrachtete ihn voller Stolz und konnte es nicht glauben. Ich bekam Ben nachts und kam mit ihm so gegen 6 Uhr aufs Zimmer. Ich war sehr, sehr müde – doch an Schlaf war nicht zu denken. Es wurde Tag und ich bekam Besuch von meiner Familie. Ben war sehr ruhig und schlief nur. Ich wollte ihn stillen, doch irgendwie war mir alles zu viel und ich hätte ununterbrochen heulen können…aber so richtig heulen.

Es wurde Abend und mein Sohn fing schrecklich an zu weinen. Das ging die ganze Nacht so. Ich war fertig mit den Nerven und fühlte mich alleine gelassen mit einem Baby und bekam immer wieder dieses schreckliche Gefühl meinem Baby nicht gerecht werden zu können. Die Nachtschwester war super lieb und redete viel mit mir.

Am nächsten Tag kam wieder Besuch und abends dasselbe Spiel mit dem Weinen… Ich habe wirklich tagelang nicht geschlafen nach der Geburt. Ich fragte mich immer: Und so soll mein Leben in Zukunft aussehen? Ja, ich liebe mein Baby und war wahnsinnig stolz auf ihn, aber ich war einfach körperlich so fertig und auch vom Kopf her!

Jeder erwartete von mir glücklich zu sein und nur Freude auszustrahlen und –  ja ich war glücklich, aber ich wollte den ganzen Tag einfach nur heulen. Bei jedem Stillen und bei jedem Toilettengang fing ich an zu weinen… Nach 3 Tagen durfte ich nach Hause und ich freute mich darüber, aber ich hatte auch Angst. Meine Mutter übernachtete die ersten 5 Tage mit bei mir und half mir mit meinem Sohn. Darüber bin ich ihr heute noch sehr dankbar!

Die erste Nacht mit meinem Kind alleine: Ich hatte große Panik und Angst etwas falsch zu machen. Mein Sohn hatte die Koliken und weinte vor allem abends und nachts sehr viel. Verzweiflung kam in mir hoch. Sobald er dann mal schlief konnte ich nicht schlafen, sondern musste immer weinen… er tat mir leid!

Ich muss sagen, ich hatte drumherum sehr viel privaten Ärger mit dem Papa von meinem Kind. Es setzte mir psychisch sehr zu, aber darüber sprechen, wie es mir wirklich geht konnte ich irgendwie nicht…  

Meine Hebamme kam jeden Tag und schaute nach mir und Ben. Sie hat ihn gewogen und alles andere angeschaut. Mein Sohn entwickelte sich super.

Die ersten Wochen waren sehr schwer für mich. Auf der einen Seite war das Wochenbett das schönste in meinem Leben -so im Nachhinein betrachtet – dieses kleine Wesen aufwachsen zu sehen, mein Fleisch und Blut. Doch auf der anderen Seite war es der reinste Horror durch das Drumherum und meine kaputten Nerven.

Doch heute (Baby ist 6 Monate alt) kann ich von mir sagen: Ich habe all das alleine geschafft und kann wahnsinnig stolz sein! Mein Sohn ist mein ganzer Stolz und macht mich zur glücklichsten Mami der ganzen Welt.

Wir Frauen sind so stark, wenn es um unsere Babys geht! Dennoch sollte man sich mehr mit diesem Thema Wochenbett beschäftigen. Man traut sich so einiges nicht offen anzusprechen in dieser Zeit da man doch schnell verurteilt wird.

Ganz schlimm war es für mich von Freundinnen und Bekannten hören zu müssen, ich verwöhne mein Kind und es weint deshalb so viel und ihre Kinder sind ja so viel lieber und schreien nicht und und und…….

Genau solche Sätze setzen einem psychisch zu und machen eine frisch gebackene Mama runter…. aber Feingefühl kennt leider nicht jeder Mensch und zu diesen Leuten habe ich heute kein Kontakt mehr.

Was mir wirklich sehr zu schaffen gemacht hat, war dieser Druck von der Gesellschaft. Diese Vorschriften, dass mein Baby durchschlafen muss. Ich soll es schreien lassen. Nicht so viel tragen. Ach – da fällt mir gewiss noch mehr ein.

Eine Mama hat von Natur aus einen Instinkt für Ihr Baby/Kind und genauso handhabe ich es nur noch.

Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und nicht auf andere. Habe ich das Verlangen mein Baby zu tragen weil es uns beide gut tut, dann mach ich es! Stille ich es alle 5 Minuten, weil es das Einzigste ist was es beruhigt, dann mach ich es!

Wichtig ist auch zu wissen, dass jedes Baby individuell ist und jede Mama Dinge anders handhabt. Dies heißt aber nicht, dass die eine es falsch macht und die andere richtig. Man entscheidet sich für den passenden Weg für sich und sein Kind da gibt es kein Richtig und Falsch.

 

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Fühlst du dich von dieser Wochenbett-Geschichte angesprochen?

Wie war deine Wochenbett-Zeit?